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Jeschurun · 1915-06-01 · Heft 6 (Juni 1915) · page 43

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 6 (Juni 1915)
Date
1915-06-01
Page
– (sequence 43)
Language
German
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Biblische Motive in Goethes *Faust*. 287 Leben. Er zeigt, wie Goethe die ״Fabel“ als solche zuerst kühl beiseite geschoben, wie sie ihn dann immer mehr und mehr gepackt hat. Wir haben im ersten Teil unserer Untersuchung gezeigt, wie die Hiob-Idee dem Dichter glücklich über Schwierigkeiten der Fortführung hinweghalf: auch die Moses-Gestalt, und das ist bedeutsam, leistete solche Dienste. In den Monaten April und Mai des Jahres 1797 wurden im Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe eitrigst die Verhandlungen über Moses gepflogen, und wenige Tage später erfolgte ״das endliche, von Schiller immer wieder begehrte Wiederaufleben des großen Lebensgedichtes“. ״Nicht mehr als schwankende Nebelgestalt erschien der Faust der neuen Dichtung, er sollte gehoben und gefestigt werden durch Steigerung zum menschlichen Tj^pus, sein Ende nach der ins Menschliche, Typische hinaufgeläuterten Judenfabel“ 1). Die fünf Vergleichspunkte sind in keiner Weise an zuzweifeln, doch glauben wir nicht, daß Goethe sie vornehmlich aus sekundären Quellen aufgenommen hat. Gerade der einfache Bericht in den letzten Kapiteln des fünften Buckes Mosis bietet das Wesentliche. Dort finden wir schon die Liebe des Mannes zum Leben, die Bitte, das heilige Land betreten zu dürfen. Gott versagt es ihm, doch einen Blick von der Spitze des Berges darf er hinüberwerfen. Vor seinem Scheiden segnet er das Volk, erschaut in prophetischem Sinne eine glückliche Zukunft, wo alle Stämme, um das Gottesgesetz geschart, an der Spitze der Nationen schreiten. Dann besteigt er den Berg, schaut hinüber in das gelobte Land, und ״stirbt am Munde des Ewigen“, Gott selbst begräbt ihn. Hundertzwanzig Jahre war er alt, ״seine Augen waren nicht dunkel und seine Kraft nicht verfallen״. Der Midrasch, den Herder zu seiner Nachdichtung benutzt hat, fügt zwei Züge hinzu: Engel sollen die Seele des großen Propheten holen, Mose sträubt sich. Da steigt Gott selbst hernieder, läßt seinem Knecht durch himmlische Mächte das Grab ף Burdacli S. 880.

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