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Jeschurun · 1915-06-01 · Heft 6 (Juni 1915) · page 39

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 6 (Juni 1915)
Date
1915-06-01
Page
– (sequence 39)
Language
German
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Biblische Motive in Goethes ״Faust“. 283 Geiste beherrscht 1). in seinem Werke nach einem harmonischen Ausgleich. Überirdische Kräfte dürfen dem Strebenden zur Hilfe eilen, daß sein Zukunftsweg nicht allzusehr von den Schrecken der Vergangenheit verdüstert werde. Gütige Naturgeister betten das Haupt des Müden auf blumiger Au. umschweben ihn in lichten!leihen und träufeln Balsam neuen Mutes, neuer Kraft in seine Seele. Geläutert ruht der Held dem Morgen entgegen und fühlt mit dem Erwachen neues Leben durch die Adern rinnen. Und mit dem neuen Leben das rechte Streben. In stürmischem Drang hatte sich Faust nach unmittelbarer Erkenntnis gesehnt, ״Des Lebens Fackel wollten wir entzünden“. Doch: ״Ein Feuermeer umschlingt ihn“, und hätte ihn fast verzehrt. Er hatte den Erdgeist zu bannen gesucht, um gleich ihm die Tiefen und Höhen der Welt zu umfassen; doch dieser batte mit seinem Donnerwort ihn nur die Ohnmacht des Menschentums begreifen gelehrt, das erreichbare Ziel ihm mit keinem ermutigenden Worte gewiesen, so daß der Todestrank dem Verzweifelnden die einzige Rettung schien. Nun aber lehrt ihn das Wunder der Natur den rechten Pfad. In majestätischer Pracht tritt die Sonne hinter den Bergen hervor, Faust sucht ihren Blick ״und leider, schon geblendet, kehrt er sich weg, vom Augenschmerz durchdrungen“. Noch einmal zuckt der Schmerz, als die Pforte zur Erkenntnis sich schließt, doch bald schwindet das bittere Gefühl der Resignation. ״So bleibe denn die Sonne nur im Rücken“. Wenn der Mensch auch ihren Anblick in der Höhe nicht zu ertragen vermag, ihr Glanz auf Erden beglücket dennoch. Ein schönes Symbol: der Regenbogen, der auf den sonnenbestrahlten Tropfen des Felsbaches sein buntes Farbenspiel entfaltet. Faust sinnet nach; nun kennt er Weg und Ziel. ״Was unerreichbar, stört uns nicht, doch was erreichbar, sei uns goldene Pflicht“ (Gofctfr. Keller). ף Vgl. das talmudisehe Wort: ד־!קב׳'ד! בלצרן5 בלחטובד מרבד למעמודל

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