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Jeschurun · 1915-06-01 · Heft 6 (Juni 1915) · page 37

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 6 (Juni 1915)
Date
1915-06-01
Page
– (sequence 37)
Language
German
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Biblische Motive in Goethes ״Faust“ 281 solcher Offenbarung und rang nach Befreiung. Nur durch eine Tat konnte sie ihm werden. Und wer sich der geistigen und menschlichen Personlichkeit Goethes einmal genähert hat, der kennt jenen innigen Zusammenhang, der diese beiden Seiten seiner Seele stets aneinander riß. War das Gemüt erregt oder der Geist bewegt, stets suchte die schaffende Dichterkraft durch eine Tat das innere Erlebnis zu gestalten, und als ״Bruchstücke einer großen Konfession״ sind Goethes Schöpfungen nur die gehobenen und geläuterten Bilder seiner eigenen Seele. Warum erblicken wir nun unter diesen nicht das Bild des größten jüdischen Propheten? Warum hat Goethe nicht wie fast zu gleicher Zeit der Knabe Schiller den Versuch gemacht, das Leben und Wirken des Mannes, der seinen Geist so machtvoll erfüllte, im Drama oder Epos zu verherrlichen? Hat Goethe vielleicht als Jüngling schon empfunden, was er im reifsten Jahre klar erkannt und ausgesprochen hat, daß menschliehe Phantasie nicht kühn genug, menschliche Kunst nicht stark genug sei, jenen ״Heroen״ würdig zu gestalten, würdiger noch als die ״älteste Urkunde des Menschengeschlechts״, die Bibel selbst ihn bereits für die Ewigkeit hingestellt? Empfunden hat er die eigene Schwäche gewiß, denn erst wenige Jahre vorher hatte er all die Werke, die aus der biblischen Gedankenwelt hervorgegangen waren (Belsazar, Jsebel, Ruth, Joseph) zum Feuertode verdammt, weil er ״als ohnmächtiger Zwerg eine Riesenaufgabe unternommen habe1). Um wieviel weniger konnte er an Moses selbst die dichterische Kraft versuchen. Und trotzdem hat er an ihm gearbeitet. Zunächst in seiner Dissertation, wo diesem unter den ״Heerfiihrern, die alle öffentlichen Religionen eingeführt haben״, sicher die vorderste Stelle eingeräumt war. Der Geist, der in dieser Schrift waltete, offenbart sich am besten aus dem Schicksal, das ihr bereitet war. Hat die Fakultät es doch bekanntlich l) Brief an seine Schwester Corneiie; Werke (Weimarer Ausg. IV 1,115.

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