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Jeschurun · 1915-06-01 · Heft 6 (Juni 1915) · page 36

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 6 (Juni 1915)
Date
1915-06-01
Page
– (sequence 36)
Language
German
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280 Biblische Motive in Goethes ״Faust“. ausgebildet haben. Denn reich hat sich die Sage um den jüdischen Führer gerankt, und zu den Perlen der Midraschim gehören die Dichtungen vom Leben und Sterben unseres größten Propheten. Für die wissenschaftliche Betrachtung des Problems ist zunächst die Vorfrage zu bestimmen: Auf welchem Wege fand die Mosegestalt Eingang in die Seele des Dichters, und welche Bilder hat sie in seinem Geiste erzeugt? Die Ausstrahlungen auf. sein Werk werden dann um so überzeugender vor unser Auge treten. Wir haben bereits im ersten Teile unserer Arbeit an die hohe Bedeutung der Bibel für Goethes dichterisches Schaffen erinnert. Und sollte der Mann, dessen Größe nach dem WTort der heiligen Schrift selbst von keinem zweiten je erreicht worden ist, nicht auch auf den Dichter seine besondere Kraft erwiesen haben? Doch bedürfen wir der Vermutung nicht, wo die Tatsachen eingehend sprechen. WTieder ist es Herder, der in die Seele seines Jüngers den Keim gesenkt, dem später die eigene Frucht entreifen sollte. Bekanntlich hat Herder während seines Straßburger Aufenthaltes schon all die biblischen Pläne entworfen, die er später in seinem Werk ״Vom Geist der ebräischen Poesie“ ausgeführt hat. Und die hohe Verehrung, die er dem Dulder Hiob gezollt, ward zur Ehrfurcht gesteigert, als er sich dem Manne näherte, der ״zu dem Genius der israelitischen Poesie den Grund gelegt hat“. Nichts kenn־ zeichnet so deutlich den warmen Ton, mit dem diese Fragen erörtert wurden, als die Eingangsworte, die Herders ״Moses“- Aufsatz eröffnen: ״Ich nahe mich dir, ernster, heiliger Schatte. Einer der ältesten Gesetzgeber und Wohltäter des menschlichen Geschlechts! Dein Antlitz glänze nicht zu sehr, daß ich Deine Züge erkenne, und sie meinem Freunde mit Licht und Wahrheit, die Du dem Fürsten Deines Volkes als Heiligtum auf die Brust legtest1), zeige.“ Ungestüm tobte des Jünglings Brust nach ג) Gedacht ist an die Urim und Tnmim auf dem Brustschild des Hohenpriesters.

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