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Jeschurun · 1915-06-01 · Heft 6 (Juni 1915) · page 34

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 6 (Juni 1915)
Date
1915-06-01
Page
– (sequence 34)
Language
German
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2ך% Babbi Jochanan ben Sakkais letzte Bitte an seine Schüler. mögen wir uns einen Begriff von der wahren Größe einer Geistessonne zu machen, denn des Menschen Geist ist nicht zu ergründen. Wie aber auch die Sonne von ihrer eigenen Größe nichts ahnt, so ist der Geistesheld und vor allem der, welcher den Forderungen der jüdischen Ethik gerecht wird, sich seiner Größe nicht bewußt. Stolz und Hochmut sind ihm fremd. Daher ist es ihm schmerzlich, wenn er in seiner Gegenwart auch nur einen kleinen Teil seines eigenen Lobes verkünden hört. Er wehrt sich gegen jede Huldigung, die man ihm darbringen möchte. Er wTill nicht, daß man ihn vergöttert und mit ihm einen Personenkultus treibt. Aber ebensowenig möchte er wegen seiner viel-־ leicht nur vermeintlichen Fehler zu hart getadelt werden. Er wünscht nur als Mensch beurteilt zu werden, und kein Mensch ist frei von Fehl. In seiner Todesstunde, als die große Geistessonne untergehen sollte und ״der Abglanz der Weisheit“ (vgl. Sota 49a'i zu erlöschen begann, wurde Rabbi Jochanan ben Sakkai von seinen treuen Schülern angeredet: ״Leuchte Israels, rechte Säule, starker Hammer! . . .“ Sie wollten auf seine großen Verdienste um die Erhaltung des jüdischen Volkes hin weisen (siehe חרושי מהר״ט״א in Berachoth 56b zur Stelle). Dies Lob war dem großen und bescheidenen Meister zuwider. Er wollte nicht in den Himmel gehoben werden. Aber er wünschte auch nicht, daß man seinen Namen in den Staub zerre und ihn zum Verräter stemple. Er wollte sich gerecht beurteilt sehen. Verherrlicht mich nicht, bat er seine Schüler, die ihn geradezu vergötterten, denn ich bin nur ein gewöhnlicher Sterblicher, und für mich gibt es, wie für jeden anderen Menschen, zwei Wege, einen zum Gan Eden und einen zum Gehinnom, und ich weiß nicht, welchen Weg man mich führen wird. Treibt also mit mir keinen Kultus und erklärt mich nicht nach meinem Tode für heilig, so daß mein Leichnam etwa nicht verunreinige (wie später die Schüler von Rabbi Jehuda Hanassi. nach der Auffässung des R. Chaim Kohen in Tossaphoth Kethuboth lOob. den Leichnam ihres Meisters für rein erklärt hatten, so daß auch Priester ihn berühren durften), sondern räumet die

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