Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1915)
- Date
- 1915-06-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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Rabbi Jochanan. ben Sakkais letzte Bitte an seine Schüler. 275 Worten versöhnen ־und mit Geld bestechen kann, so würde ich dessenungeachtet weinen; und nun führt man mich vor den König aller Könige, der lebt und in alle Ewigkeit besteht, dessen Zorn, wenn er über mich zürnet, ein ewiger Zorn und der wenn, er mir das Leben abspricht, mich für immer vernichtet, den ich mit Worten nicht versöhnen und mit Geld nicht bestechen kann; und dazu bedenket noch: Vor mir sind zwei Wege, der eine führt zum Garten Eden und der andere zum Gehinnom, und ich weih nicht, welchen Weg man mich führen wird —, sollte ich da nicht weinen?“ Als er verschied, so berichtet der Talmud weiter, sprach er: ״Räumet die Hausgeräte fort, wegen der Verunreinigung (durch den Toten), und bereitet einen Stuhl für Hiskija. der gekommen ist.“ Die letzten eben angeführten Worte des Rabbi Jochanan ben Sakkai sind rätselhaft. Ein Blick auf die Lebensgeschichte dieses grollen Meisters und Politikers wird sie uns vielleicht naher bringen. Rabbi Jochanan ben Sakkai war einerseits, wenn es die Ehre Gottes galt, eine Kampfnatur (vgl. Menachoth 65a ff. u. Baba-Bathra 115 b ff. u. a. m.), andererseits aber auch sehr friedfertig. Durch seine Friedfertigkeit ist es ihm gelungen, die dem LTitergang geweihte Nation wieder aufzurichten: in einer sturmbewegten Zeit hat er die Thora, die Seele des Judentums, seinem Volke gerettet. Nicht umsonst wurde er von seinem Lehrer Hillel ,.Vater der Weisheit und Träger der Zukunft“ (Jer. Nedarim V) genannt; denn inmitten der Kriegswirren, da das Blutvergießen kein Ende nehmen wollte in diesem hoffnungslosen Zustande, bat Rabbi Jochanan ben Sakkai bescheiden den römischen Kriegsherrn, ihm die Erlaul)־ nis zu erteilen, in Jabne ein Lehrhaus eröffnen zu dürfen (Gittin 56b.) Gegen diesen unverfänglichen Wunsch hatte der Feldherr nichts einzuwenden, da er nicht ahnen konnte, daß durch diesen geringfügigen Akt das Judentum in den Stand gesetzt werden würde, das kraftstrotzende, eherne Römertum um *Tahrtausende zu überleben. Wegen dieses religiös-politischen Schaehzuges wurde aber Rabbi Jochanan ben Sakkai von einem großen Teil seiner Zeit-