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Jeschurun · 1915-06-01 · Heft 6 (Juni 1915) · page 28

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 6 (Juni 1915)
Date
1915-06-01
Page
– (sequence 28)
Language
German
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2/2 Die Selbstüberwindung Josephs. Augenblick über sich. Doch die Lockung ergeht jeden Tag an ihn, er findet Widerstand in sich, aber nicht einen so großen, daß er der Sünde ganz aus dem Weg gehen sollte, er spielt immer noch mit dem sündigen Gedanken und zuletzt hat er ihn so gepackt, daß er entschlossen ist, den Widerstand aufzugeben, und als das Haus leer, da niemand im Hause ist, statt jetzt erst recht die Begegnung mit der Verführerin zu meiden, geht er ins Haus, ״seine Arbeit zu verrichten“. Einen wie tiefen Blick in das Seelenleben bewähren hier die Weisen, wenn sie zu dieser Stelle bemerken, er ging mit denselben sündigen Gedanken ins Haus, wie sie das Weib des Potiphar hegte. (Sota 36b, Ber. r. 87,7. Angedeutet Sabbat 49b). Nun wäre er verloren gewesen, aber alles Gute in ihm war nicht ertötet worden, der Lieblingssohn des Vaters konnte den greisen sittenstrengen Vater nicht vergessen, im höchsten Moment der Not, tritt ihm doch der Gedanke an seinen Vater vor die Seele, das Bild seines Vaters zeigte sich ihm: ״Was würde er dazu sagen, wenn er mich so sähe?“ Und, was er schon längst hätte tun sollen, jetzt findet er die Kraft dazu — er reißt sich von der Verführerin los. Doch noch eines sei hier hinzugefügt. Der Midrasch, der uns, wie gesagt, den Seelenkampf Josephs schildert, fügt noch ein weiteres Zwiegespräch hinzu, in dem die Verführerin die Bedenken Josephs als törichte hinzustellen suchte, bis er endlich seine Furcht vor ihrem Manne, seinem Herrn, als schwerstes in die Wagschale wirft. ״Ich werde ihn umbringen!״ entgegnet sie. worauf er: ״Ist es nicht genug, daß ich zu den Ehebrechern gezählt werden müßte, soll ich auch zum Mörder werden?!“ W ie fein psychologisch erdacht. Die ethischen Motive waren bereits überwunden, die blasse Furcht vor der Hache des beleidigten Gemahls und Herrn hält noch die sündhafte Handlung zurück; mit dem Gedanken des Ehebruchs hat man sich schon abgefunden, man fürchtet nur noch das Stigma des Mörders, welch ein Abstieg! Aber auch dies wird überwunden: er geht in das von den Mitbewohnern verlassene Haus, sein Werk zu verrichten, die sündige Tat auszuführen; und nur das Bild

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