Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1915)
- Date
- 1915-06-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Selbstüberwindung Josephs. 2/1 gegen jeden Sinnenreiz gefeit? Unsere Weisen verneinen dies; schwere Seelenkämpfe hatte der Jüngling durchzukämpfen, er besann sich zwar immer noch anf sich selbst und doch hätte nicht viel gefehlt, er wäre der Sünde verfallen, wenn nicht das plötzlich vor seiner Seele auftauchende Bild seines Vaters ihn entnüchtert und ihm die Kraft, sich von der Verführen n loszureißen, gegeben hätte. In diesem Sinne sind wohl die Gespräche zu verstehen, die der ]Midrasch als zwischen Joseph und Potiphars Frau gehalten, konstruiert. Tag tiir Tag suchte sie ihm zuzureden, mit Rede und Gebärde an sich zu locken. Was antwortete er ihr? ״Von den Gottesfreunden aus meiner Familie hat Gott sich einen zum Ganzopfer ausersehen, wie Abraham befohlen wurde, seinen Sohn als Ganzopfer darzubringen. Höre ich nun auf dich, so würde ich ja eines solchen Opfers unwürdig sein, sollte ich einmal dazu ausersehen werden״. Oder: ״Es war schon üblich geworden, daß Gott sich denen, die ihn aus meiner Familie liebten, in der Nacht offenbarte, so dem Abraham, Jizehak und Jakob, wie kann ich da dir zu willen sein, wenn sich nun auch mir Gott offenbaren wollte, er fände mich dann der Sunde hingegeben“. Oder: ..Ich fürchte mich, ist doch Adam einer anscheinend kleinen Sünde wegen aus dem Paradies vertrieben worden, wie wird erst die Sünde des Ehebruchs bestraft werden!“ Oder: Reuben verlor die Würde seiner Erstgeburt, die mir übertragen wurde. wrie sollte ich mich dem Unwillen meines Vaters aussetzen, der mir diese Würde wieder nähme, wenn er hörte, daß ich mich mit dir vergangen habe“. (Das. 87,5). Wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir annehmen, der Midrasch wollte mit den verschiedenen Bedenken, die Joseph den täglich sich wiederholenden Lockungen des Weibes, die nichts zu entgegnen weiß, entgegensetzt, nichts anderes uns zeichnen, als den innernKampf, den der Jüngling in sich durchzukämpfen hatte. Die Sünde reizt ihn, sie will schon über ihn siegen, da besinnt er sich anf sich selbst, auf das, was er seiner Familie, sich selbst, seiner Zukunft schuldig ist, und er siegt für den