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Jeschurun · 1915-06-01 · Heft 6 (Juni 1915) · page 26

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 6 (Juni 1915)
Date
1915-06-01
Page
– (sequence 26)
Language
German
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270 Die Selbstüberwindung Josephs. über das wir leicht dahinlesen, die Persönlichkeit Josephs charakterisiert! Er war trotz seines Alters ein Kind geblieben im schlimmen und guten Sinne; er war eitel, putzsüchtig, schwatzhaft, aber auch im guten Sinne: Vertrauensselig, ohne zu ahnen, daß sein Benehmen die Brüder hätte verletzen können, sucht er sie auf Geheiß des Vaters auf. ohne daran zu denken, daß er sich in Gefahr begebe. In seiner Arglosigkeit kann ihm gar nicht der Gedanke kommen, daß seine Brüder sich feindselig gegen ihn benehmen könnten. Aber Joseph war durch die Prüfung nicht ernster geworden, er tändelt weiter, sobald er in behagliche Verhältnisse eingetreten ist. Er war verkauft an Potiphar, — und: ״Joseph war schön von Gestalt und schön von Aussehen“, so heißt es nach seiner Installation in dem neuen Heim und unmittelbar danach: ״Es hob die Frau seines Herrn ihre Augen auf zu Joseph“. Ursache und Folge, so meinen unsere Weisen. ״Womit ist Josephs Gebaren zu vergleichen? Mit dem eines Helden, der auf dem Markte sich geckenhaft im Gang benimmt, seine Haare sorgfältig glättet, feurige Blicke umherwirft und ausruft: Was für ein Mann bin ich! Schön und ein Held! Du ein Held? ruft man ihm zu, wenn du es bist, da kommt der Bär, auf! und besiege ihn!“ Und weiter: ״Joseph dachte bei sich: als ich noch im väterlichen Hause war, gab es Schönes, da kaufte es der Vater für mich, und meine Brüder beneideten mich; hier lebe ich behaglich und habe alles in Hülle und Fülle (und keiner mißgönnt es mir), dafür danke ich dir, o Gott! Der Heilige, gelobt sei er, ruft ihm aber zu: Knabe, so wahr du lebst, ich werde den Bären gegen dich reizen“ (Das. 87, 2. 3). Mit wenigen Strichen zeichnet der Weise des Midrasch, wie er sich die Persönlichkeit des jungen Joseph denkt: eitel, zufrieden in der neuen Lage, da es ihm ja gut geht, und das ist sein Verhängnis. Das Raubtier der Verführung lauert auf ihn, nun soll sich seine Heldenkraft, deren er sich rühmte, bewähren. Wird er siegen? Fast wird er seine Beute. Sollte dies wirklich der Fall gewesen sein? Hat es überhaupt eines Kampfes seinerseits bedurft? War er nicht

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