Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1915)
- Date
- 1915-06-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Selbstüberwindung Josephs. 269 einem jungen, von keiner Rücksicht auf die Familie gebundenen Menschen, dem man ja so manches verzeiht, getan“. Damit ist die Verdächtigung des biblischen Berichts, er habe die Wahrheit im Interesse Josephs gefälscht, widerlegt. Jedoch abgesehen davon widerlegt dieser Verdacht sich von selbst. Welchen Zweck sollte es wohl gehabt haben, diesen ganzen Vorgang zu erzählen, wenn Josephs Verhalten in Wirklichkeit ein entgegengesetztes gewesen wäre, wäre es denn nicht richtiger gewesen, den ganzen Vorgang zu verschweigen? Es wäre alsdann gewiß keinem eingefallen, sich ein sittliches Vergehen Josephs zu konstruieren. Ein Anlaß dazu hatte vollständig gefehlt. Um aber den wahren tiefen Inhalt dieser Erzählung zu verstehen, müssen wir uns an die sie begleitenden und erläuternden Worte unserer Weisen wenden, sie haben die psychologischen Momente dieser Erzählung tief erfaßt und uns gezeigt, wie ein Joseph gekämpft und wie er überwunden hat. Doch alle Züge, mit denen die Weisen das Bild ausstatten, sie sind nicht von ihnen in die Erzählung hineingelegt, sondern sie sind von ihnen herausgelesen, denn sie sind in der Erzählung enthalten; und wenn wir mit ihren Augen und unter ihrer Leitung lesen, erscheint uns alles einfach und durchsichtig. Joseph war der verwöhnte Lieblingssohn des Vaters, das gereicht diesem zum Vorwurf und jenem verursachte es Leid. Es wird im Namen Rabs tradiert: ״Nie möge ein Vater eines unter seinen Kindern bevorzugen; zwei Schekel, die Jakob für einen größeren Aufwand an Seide für Josephs Kleid mehr als an denen der Brüder sich gestattete, wurden zum äußeren Anlaß der Auswanderung nach Mizrajim“ (Sabbath 10b). Diese Verwöhnung übte keinen günstigen Einfluß auf das Gebaren Josephs. ״Er war ein Knabe zusammen mit den Söhnen der Büha und der Silpa“, sagt die Schrift. Wie, siebzehn Jahre war er alt. und er wird ein Knabe genannt? Jawohl, trotz seines Alters benahm er sich knabenhaft: er schminkte die Augen, er tänzelte mit den Füßen, er kräuselte die Haare“ deutet der Midrasch das נער (Das. 84,7). Wie trefflich das eine Wort,