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Jeschurun · 1915-06-01 · Heft 6 (Juni 1915) · page 24

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 6 (Juni 1915)
Date
1915-06-01
Page
– (sequence 24)
Language
German
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268 Die Selbstüberwindung Josephs. aus der Auffassung, die unsere Weisen von Person und Charakter Josephs, wie sie sich aus unserem Midrasch ergibt, diesen erst vollständig erkennen und manche Zweifel und Fragen lösen, die in älterer und neuerer Zeit gegen unsere Erzählung erhoben worden sind. Ein deutscher Dichter, wenn ich nicht irre, ist es Seume, von dem es sein unbändiger Bibelhaß erklären würde, hat die Wahrheit der Darstellung der Josephserzählung in der Bibel nicht nur in Zweifel gezogen, sondern als eine absichtliche Fälschung, als eine Bettung Josephs erklärt. Es habe sich alles umgekehrt verhalten: Joseph habe auf seine Herrin ein Attentat versucht, ihre Anklage enthalte die Wahrheit, wie hätte sonst der lebensfrische Jüngling den Lockungen der schönen Frau widerstehen können? Abgesehen davon, daß eine solche Ehrenrettung nur dann einen Sinn hätte, wenn die Ehre schon vorher durch irgend einen Angriff lädiert worden wäre, was doch hier nicht der Fall ist, so spricht schon das Verhalten des Gemahls gegen diese ganze Auffassung. Dieser hätte sicherlich Joseph nicht mit dem Leben davonkommen lassen, wenn er dem Berichte seiner Frau nur ein Atom von Glaubwürdigkeit beigemessen hätte; um den Schein zu wahren und seine Frau nicht bloßzustellen, mußte er den Diener zu einer Gefängnisstrafe verurteilen, die wahrlich in ihrem Verlauf nicht allzuschwer ausfiel. Vgl. Das. 87,9 Diese Zweifel an der Wahrheit der Darstellung der Josephgeschichte sind aber schon sehr alt. Im Midrasch (Das. 87,6) lesen wir: ״Eine Matrone fragte den B. Jose: Ist es möglich, daß der 17jährige, in Jugendkraft strotzende Joseph sich so der Verführung unzugänglich sollte verhalten haben, wie es die Bibel erzählt? Da schlug er ihr das erste Buch Mose auf und las ihr den Vorgang zwischen Beuben und Bilha und die Erzählung von Jehuda und Thamar vor und sagte zu ihr: Wenn die Thora hier, wo es sich um erwachsene und verheiratete Männer handelt, die ein Vorwurf in sittlicher Beziehung schwerer trifft; als einen Jüngling, nichts verheimlicht und nichts bemäntelt hat, um wieviel weniger hätte sie es bei

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