Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1915)
- Date
- 1915-06-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Selbstüberwindung Josephs. 267 nahe erlegen und was ließ ihn über sich selbst im entscheidenden Momente den Sieg davontragen? ״Des Vaters Geist war plötzlich ihm erschienen, Ernst mahnend stand er vor dem Jüngling da. Und blickt ihn an mit vorwurfsvollen Mienen,. ״Und Jussnf reißt sich los mit zähem Sprunge. Ein herrlicher Gedanke! Nur ein gottbegnadeter Dichter, wird man sagen, konnte so den Knoten lösen, den er ge־ schürzt, er führt einen feurigen Jüngling bis an den Rand des Abgrundes und rettet ihn im letzten Moment vor dem Sturz durch die Erinnerung an seinen alten Vater, der ihm im Geiste erscheint und ihn mit vorwurfsvollen Mienen anblickt, aus denen er den Schmerz des Vaters über seinen Abfall liest und den Ruf hört: ״Flieh und kehr? den Sinn vom Zauber der ägyptschen Buhlerin“. Es tut dem dichterischen Werte der Romanze Bodenstedts keinen Abbruch, wenn wir bemerken, daß schon vor 2300 Jahren der jüdische Weise R. Mathna diesen Gedanken ausgesprochen hat: ״es erschien ihm des Vaters Bild“ (Ber. r- 87,7) und daß der Dichter aus dieser Quelle unmittelbar oder mittelbar geschöpft hat. Ihm bleibt das Verdienst, diesen Gedanken in die angeführten herrlichen Worte gekleidet zu haben. Wie aber dieser, jüdischer Weisheit entsprungene Gedanke von der alles bewältigenden Macht, welche die Erinnerung an das Vaterhaus, das Sichbesinnen auf seine Pflicht übt, wie diese die Leidenschaft zügelt und dem Jüngling die keusche Reinheit sichert, in der Josephserzählung eine Lücke ausfüllt, indem er die gewiß oft schon gedachte und auch ausgesprochene Frage: Wie konnte der Jüngling die Prüfung bestehen? mit feiner psychologischer Begründung beantwortet, so können wir eine Marke, die ihre Herkunft meldete, um den Hals gehängt, in einem Gestrüppe verborgen habe. Diese habe Potiphera als Kind zu sich ins Haus genommen, und Joseph habe sie dort gesehen und durch die Inschrift an der Marke erfahren, daß sie Jacobs Enkelin sei, so habe er dann eine Ebenbürtige geheiratet. Vgl. Ber. r. 90,4 und Bechai zu Genesis 41,45.