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Jeschurun · 1915-06-01 · Heft 6 (Juni 1915) · page 22

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 6 (Juni 1915)
Date
1915-06-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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266 Die Selbstüberwindung Josephs. Diese zweite Ausgabe ist ״bei Johann Keiner. Franckfurt am Mayn“ gedruckt. Abgedruckt und ins Deutsche übertragen findet es sich in Schudt ״Jüdische Merkwürdigkeiten“ Frankfurt a. M. 1715. Großen poetischen Wert hat dieses Stück nicht, es ist im ganzen bis auf die klobigen Reden der Pickelhäring dezent gehalten. Selbst die Lockungen der Frau des Potiphar, die hier ebenfalls wie bei Sadi Selicha (Zuleika) heißt, sind erträglich. Ein feineres und zarteres Gebilde hat Bodenstedt in seinem ״Mirza Schaffy“ aus diesem Stoffe gewoben. Nach dem Vorwurf des ״Gulistan“ müssen die Frauen auch hier die Liebe Zuleikas zu dem Diener entschuldigen, da sie selbst, von seinem Anblick betroffen, sich in die Hände beim Apfelschälen schneiden, hier wie dort hat Zuleika durch ihre List den Frauen das Geständnis von der unwiderstehlichen Macht Josephs abgezwungen. Aber in einem wichtigen Punkte weicht Bodenstedt von Sadi und auch von der Erzählung der Bibel ab, Zuleika ist nicht die Frau, sondern die Tochter seines Herrn, die ihre Liebe zu dem Diener nicht beherrschen kann, die ihm aber über die Dauer seiner Haft hinaus treu bleibt und ihre Liebe durch die Ehe mit ihm belohnt sieht. Der Dichter will vielleicht hier dem peinigenden Gedanken aus dem Wege gehen, wie es Joseph möglich war. die Tochter der Frau zu heiraten, die ihn einst zu einem Ehebruch verleiten wollte1). In welchem Lichte läßt der Dichter uns aber Joseph erscheinen? Steht dieser den Lockungen und Reizen des jungen Mädchens gefühllos und kalt gegenüber? Nein, er wäre bei- *) Diese Abweichung von der Bibel ist kein glücklicher Zug. Das ergibt sich aus der Erwägung, daß die Sünde des Ehebruchs vollständig von ihm ausgeschaltet wird, ein Moment, das der Erzählung erst ihre rechte Bedeutung gibt. Zugleich sei bemerkt, daß es ein vielverbreiteter Irrtum ist, es habe sich bei der Verheiratung Josephs um die Tochter Potiphars gehandelt, was keineswegs der Fall war. Es war die Tochter des Priesters Potiphera, die Pharao ihm zur Frau gab. Auch der Midrasch berichtet von einer Legende, nach der Osnath nicht die wirkliche Tochter, sondern die Adoptivtochter der Potiphera gewesen sein soll. Sie sei die Tochter der Dina und des Chamor gewesen, die Jacob, nachdem er ihr

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