Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1915)
- Date
- 1915-06-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2292929-2292942-2292949--00782-2294026- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Selbstüberwindung Josephs. 265 10 Gebete schildert er im 6. Spruch Josephs Standhaftigkeit der Verführerin gegenüber. Da alle Lockungen und Drohungen des liebestrunkenen Weibes Josephs Standhaftigkeit nicht erschüttern können, erzählt sie den Freundinnen, die sie um sich versammelt, von ihrem Leide, sie aber sollen sich selbst davon überzeugen, wie begehrenswert dieser schöne Jüngling, noch einem Ende gleich, und wie ihre Liebe nur allzuleicht zu erklären sei. ״Kommt mit mir in meinen Palast zum gemeinsamen Essen und Trinken, und wir werden uns unterhalten, ihr aber sollt eure wahrhaftige Meinung sagen. Wie sie nun am Tische Platz genommen hatten, rief die Herrin ihren Diener: Herein, warte am Tische auf! Er nahm den Weinkrug in die Hand und schenkte ein. Die Frauen hielten ihre Becher in der Hand, konnten aber nichts trinken, denn sie konnten den Blick nicht von ihm wenden und waren wie mit Rot übergossen. Sein Gesicht war wohl auf seine Herrin gerichtet sein Herz aber zum Himmel. Und alle standen auf und küßten ihn aufs Haupt und sprachen: ״Dir, o End, gebührt die Herrschaft1״). Auch der Midrasch spielt auf die die Frauen fesselnde Schönheit Josephs an, indem sie בנות צעדה עלי שור (Gen. 49, 22.) dahin auslegen, daß bei der Rundfahrt Josephs durch die Stadt die Dächer der Häuserreihen von jungen Mädchen besetzt waren, die, von dem Ruf der Schönheit des neuen Herrschers angezogen, ihn sehen wollten. Auch die jüdische Jargondichtung bemächtigte sich unsers Stoffes. 1713 erschien ein Abdruck eines vor 1711 erschienenen Stückes: ״die Verkauffung Josephs in jüdisch-deutscher Mundart, dessen Verfasser Beermann von Limburg sein soll. *) S. Machsor Vitry II, § 310. R. Maier verfaßte zum Targum der 10 Gebote, das früher am Scliabuothfeste beim Thoravoriesen vorgetragen wurde, erläuternde Anreden in chaldäischer Sprache, die ebenfalls zum Vortrage in der Synagoge dienten. Der deutsche Ritus hat noch einen Rest in der Einleitung zum Targum, יאקדבלות für den Synagogengebrauch beibehalten, der polnische auch die Einleitung zur Haphtara des 2. Festtages. יציב פתגם.