Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1915)
- Date
- 1915-05-01
- Page
- – (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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240 Zwei rätselhafte Agadoth. Ruhmeszeugnis aus: er sei ״ein Quell, der nie versiegt“. Und in Rabbi Jochanans Namen sagt Abba Saul: ״Wären alle Weisen Israels auf einer Seite, sogar der große Rabbi Eleazar ben Horkinos einbegriffen, so würde der Sohn Aracbs ihnen das Gleichgewicht halten“. Als Rabbi Jochanan seinen Schülern das Problem stellte: ״Geht hin und seht, welchen Weg der Mensch sich erwählen solle“, da errang Rabbi Eleazar den Preis, indem er sagte: ״Ein gutes Herz“, das als wertvollstes Gut den Menschen stets richtig leiten wird. ״Ich stimme den Worten Rabbi Eleazar ben Arachs zu, urteilte der Meister, denn im guten Herzen sind alle sittlichen Güter enthalten“. Wer in solch prägnanter Form alle sittlichen Werte zusammenzufassen weiß, der muß aus dem eigensten Innern geschöpft, der muß selbst ein ״gutes Herz“ sein eigen genannt haben, ein Herz voll Empfänglichkeit und Mitgefühl für alles Gute und Edle. Der unversiegbare ״Quell der Thora“ enthält auch das gute Herz. Aber nur solange er eben selbst übersprudelte von Thorawissen, solange war er voll Güte und Edelmut, wie es ebenfalls in den Sprüchen der Väter heißt: die Thora befähigt dich, ein Gerechter, ein Frommer, ein grader und treuer Mensch zu sein, so lange war er in allen Tugenden ausgezeichnet. Als er aber an die Stätten der Lebenslust, zum Weine Phrygiens und den Luxusbädern kam, da gewann diese Welt Einfluß auf ihn, er fühlte sich hingezogen und ergab sich der Weltfreude. Da konnte er nicht mehr der unversiegbare Quell der Thora bleiben, er vergaß sein Talmudwissen, ohne aber seine sittliehen Eigenschaften des Edelmutes aufzugeben — ist doch oft der Badeplatz auch die Stätte reichster philantropischer Betätigung —, sein gutes Herz glaubte er sich bewahrt zu haben. Da er aber die Bibel wieder vornahm, an ihrem Maßstab sich messen wollte, mit dem ersten Gebot an Israel von der Neumonds weihe und der Zeitenheiligung begann, da bemerkte er, wie der Wein und die Thermen auf ihn gewirkt hatten, ״stumpf war sein Herz“ geworden. Dem hohen Gedanken des Pessachfestes gegenüber, der Befreiung aus Sklaven-