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Jeschurun · 1915-05-01 · Heft 5 (Mai 1915) · page 39

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 5 (Mai 1915)
Date
1915-05-01
Page
– (sequence 39)
Language
German
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Zwei rätselhafte Agadoth. 239 die eine Art von Gesetzen vor der anderen zu bevorzugen, die eine höher zu bewerten als die andere. Demgegenüber sagt der Midrasch: sie bilden eine Einheit: beide sind gleichwertig und gleichartig, erhalten erst eine in der anderen ihre Bedeutung. Beide sind sie Gebote Gottes, beide haben wir lediglich als Forderungen Gottes zu erfüllen. Und er fügt warnend hinzu: nicht nur die Erfüllung beider Pflichtenarten liegt dir gleicherweise ob, auch הפסולת das, .,was fehlt“, הפסולת, ihre negative Seite, ihre Übertretung ist von gleicher schwerwiegen־ der sittlicher Bedeutung, ist von gleicher Wirkung auf dich. Auf Erden scheint es zwar anders: wer z. B. den Sabbat entweiht, verliert dadurch nicht an seinem Menschenwerte in den Augen der Mitwelt, während eine ethische Verfehlung ihn unserer Achtung und Freundschaft verlustig gehen läßt und und ihrer unwürdig macht. Nach der Auffassung des Midrasch ist jedoch die Verletzung des Sabbat sittlich gleich verwertlieh. Wer das Gottesgebot preisgibt, der wird auch den VersucLungen des Lebens nicht widerstehen, wenn es gilt, allen Anfechtungen und Gefahren zum Trotz seiner ethischen Pflicht treuzubleiben. Denn nur wer die Tugenden als Thoragebote übt. als Gebote des lebendigen Gottes, die unter keinen Umständen ihre unbedingte Verpflichtungskraft einbüßen, nur der wird im Kampf des Lebens, auch dem Mitmenschen gegenüber, nie die sittliche Orientierung verlieren. Wer sie nur als Vernunft ge setze gelten 'lassen will, mag er auch fleckenlos sein Leben geführt haben, läuft jeden Augenblick Gefahr, unter veränderten Umständen und Lebensbedingungen ״den Gott in der Brust irren“ zu sehen und die Widerstandskraft gegen theoretische und praktische Verführung zu verlieren. Kur die Thora vermag uns Freiheit zu geben, unserer Katur und unserem Denken die Zügel anzulegen, daß wir nie und nirgends die Grenze des Sittlichen vergessen und übertreten. Diesem Gedanken soll nun auch die Erzählung von Babbi Eleazar ben Aracli zur Veranschaulichung dienen. Kach den Sprüchen der Väter war Eleazar einer der fünf Schüler von Babbi Jochanan ben Sakkai: und sein Meister stellte ihm das

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