Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1915)
- Date
- 1915-05-01
- Page
- – (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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Zwei rätselhafte Agadoth. 237 der behördlichen Untersuchung etwas längere Zeit gewährt hat. Dies umlaufende Gerücht mochte Rabbi tief geschmerzt haben, so daß sein Freund, der Kaiser Antoninus, ihm Legionäre stellte, die seine Umgebung hindern sollten, das Gerede nachzusprechen. Trotzdem fand sich ein Charakterloser, der sich erdreistete, an den Nassi mit der Behauptung heranzutreten: Deine Mutter ist mein Weib und du mein Sohn; d. h. als seine Mutter ihn mit einem fremden Kinde vertauschte, hat man ihr nicht ihren rechten Sohn zurückgegeben, sondern das Kind eben dieses Anklägers. Betreffs Rabbi Chijahs wird ferner in Kiddusehin 12b erzählt: Judith, das Weib Rabbi Chijahs, hatte schwere Geburtswehen; da sagte sie zu ihm: ״Mir hat die Mutter gesagt, dein Vater hat dich, als du klein warst, einem anderen vermählt“. Selbstverständlich kann das nur ein bloßer Scherz von seiten des Schwiegervaters gewesen sein, ohne alle Verbindlicbkeit und Gültigkeit, aber es sickerte durch und wurde von Herumträgern kolportiert, bis daß jemand sich erfrechte, dem Rabbi Chijah zu sagen: Dein Weib ist mein Weib, will sagen, er sei der Mann, dem der Vater der Judith das Eheversprechen gegeben hatte. Warum aber forderten beide, Rabbi und Rabbi Chijah ihre Verleumder auf, Wein zu trinken? Das erklärt sich aus Sanhedrin 38a, wo Rabbi Chijah zu Rabbi sagte: ״Wein (jajin) und Geheimnis (sod) haben beide den Zahlenwert 70, kommt der Wein hinein, geht das Geheimnis heraus״. Das bewährte sich bei beiden Anklägern: sie tranken Wein, und siehe da, sie plauderten ihr Geheimnis aus, daß sie nur durch eine Lüge die Großen Israels beschämen wollten. Und ״es hörte auf״ d. h. die Bösrede, die Anklage zerstob wie Schaum auf dem Wasser. Vielleicht ist es daher richtig zu lesen: es sagte Rabbi Chijah: mir selbst hat das Gebet Rabbis die Schande von meinen Kindern abgewehrt; er selbst betete dasselbe Gebet, und es erfüllte sich, daß seine Kinder nicht als Bastarde, als eines anderen Mannes Söhne dastanden.