Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1915)
- Date
- 1915-05-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Charakterbilder unserer großen Gesetzlehrer. 227 Perserkönigs Jesdegerd zur Gattin gegeben. Die ehemalige Heidin ward allerdings unter Beobachtung aller Vorschriften, zum Judentum übergetreten, dennoch aber wurden die Ehe und die Nachkommen, die aus ihr hervorgingen, von dem größten Teil der Geonim, ohne Rücksicht auf die Ungnade des Exilarchen־ hauses, als illegitim und nicht ebenbürtig bezeichnet. Der auf ihnen ruhenden Verantwortung wohl bewußt, verfuhren die Geonim in ihrer Tätigkeit als Lehrer der Ge־ samtheit mit außerordentlicher Gewissenhaftigkeit. Waren sie doch berufen, überallhin in der Diaspora Gutachten zu erteilen, in den verschiedensten Angelegenheiten des religiösen Denkens und Lebens Belehrung zu spenden. Man zog in einem solchen Fall die Bescheide früherer Geonim sorgfältig zurate, erörterte die Angelegenheiten mit den älteren Kollegialmitgliedern und verschmähte es auch nicht, die Meinungen der jüngeren Gelehrten und Schüler zu hören. — Es war daher natürlich, daß zu dem verantwortungsvollen Amt des Gaons eine gewisse Reife der Jahre erforderlich war, die allein eine Abgeklärtheit des Urteils ermöglichte. So sehen wir, bei genauer Beobachtung der Aufeinanderfolge der Geonim, daß nur in den allergeringsten Fällen auf den Vater der Sohn im Amte folgte, vielmehr dieser erst nach einer Reihe von Jahren zum Gaonat berufen wurde. Daß die Anwartschaft zu dem hohen Amt nur durch tief eindringendes Studium erworben werden konnte, ist selbstverständlich. Wir besitzen freilich nur eine einzige Notiz über den Werdegang eines zukünftigen Schuloberhauptes. Scherira teilt uns mit, daß. nach einigen Berichten, Josef ben Abba (811—813) in seiner Jugend unter außerordentlichen Mühen und Entbehrungen seine Studien betrieben habe. Dafür habe ihm sein Lehrer die künftige geistige Führerschaft vorausgesagt. Wenn wir nun im allgemeinen die Geonim bisher als Männer, durchdrungen vom tiefsten Bewußtsein ihres verantwortungsvollen Amtes, großer Charakterstärke und opferfreudiger Eingabe an ihren Beruf geschildert haben, so seien einige von ihnen besonders hervorgehoben, an der Hand des uns über sie, besonders seit