Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1915)
- Date
- 1915-05-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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226 Charakterbilder unserer großen Gesetzlehrer. Stolz sollten die Geonim auf ihre Würde sein und befäbigt, sie zu wahren. Nicht immer wurde ihnen dies leicht. Galt es doch oft, ״stolz vor Fürstenthronen zu sein“. Neben den Geonim, welche die höchste geistliche Würde vertraten, gab es auch die Exilarchen, die רישי גלותא, welche beim Herrscher in hohem Ansehen standen und nach einigen Berichten zur vierten Rangklasse gehörten. Zwischen den Inhabern der beiden höchsten Gewalten mußte es naturgemäß zu Reibungenkommen. Ein Konflikt war auch bei genauer Abgrenzung der den Geonim und den Exilarchen zustehenden Kompetenzen unvermeidlieh. Das hohe Ansehen und der große Einfluß der Resch Golas fanden wohl ihren Grund auch darin, daß diese dem Hause Davids angehörten und somit in ihrer Person den ehemaligen Glanz, wie die Hoffnung des jüdischen Volkes darstellten. Indes, auch die Geonim gehörten zum Teil demselben Geschlecht an, wie sie auch andrerseits aus dem ahronidischen Stamm hervorgingen, also gleichfalls zur Elite des Volkes gehörten. Um so mehr sind die Worte eines der hervorragendsten und ver־ dienstvollsten Männer, des Gaon Scherira (900—998) Oberhauptes des Lehrhauses von Pumbadita, zu beachten, der sich durch seinen Brief an Jacob ben Nissim zu Kairuän in Nordafrika über die Geschichte der mündlichen Lehre und deren Träger, wie durch seine äußerst zahlreichen Gutachten, ein immerwähren־ des Andenken gesichert hat. Dieser Gaon läßt sich also ver־ nehmen: »Es gab unter den Exilarchen (נשיאים) solche, die die Gelehrten sehr kränkten und sie vielfach bedrückten. Meine Vorfahren aber, obwohl sie zum Exilarchengeschlecht gehörten, haben von allen diesen üblen Gewohnheiten sich zurückgehalten, und haben Anschluß an die Gelehrten der Metibta (Lehrhaus) gesucht, um Bescheidenheit, Demut und Unterordnung sich anzueignen. Wir haben nichts mit den Nachkommen Bostanais zu tun, da schon vorher unsere Familie zu den Mitgliedern des Gelehrtenkollegiums zählte.״ Mit dieser Bemerkung weist Scherira auf eine Begebenheit hin, die sich bald am Anfang der Araberherrschaft; ereignete. Nach der Eroberung Persiens hat der Kalif Omar dem ihm huldigenden Exilarchen Bostanai die Tochter des bezwungenen