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Jeschurun · 1915-05-01 · Heft 5 (Mai 1915) · page 25

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 5 (Mai 1915)
Date
1915-05-01
Page
– (sequence 25)
Language
German
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225 Charakterbilder unserer großen Gesetzlehrer. geistige Entwickelung unseres Volkes besonders wichtiger, aber in allen Einzelheiten noch nicht genau erforschter Zeitabschnitt1). Der Hauptmittelpunkt ihrer Lern- und Lehrtätigkeit war das Land zwischen Euphrath und Tigris. Hier blühten die beiden großen Schulen zu Sura, die schon von dem großen Amora Rab begründet worden war. und zu Pumbadita, die gleichfalls bereits seit der zweiten Hälfte des dritten Jahrhunderts ihre Tätigkeit entfaltete. Von diesen beiden Stätten ging für acht Jahrhunderte ,.die Lehre aus für ganz Israel“. Rach mancherlei Erschütterungen während des 6. und am Anfang des 7. Jahrhunderts, als Religionsverfolgungen im persischen Reich eine zeitweise Schließung der Lehrhäuser herbeigeführt hatten, traten endlich mit Beginn der Ar ab erherr schaft ruhigere Zeiten ein, in denen die Oberhäupter der großen Akademien ihre Tätigkeit ungestört entfalten konnten. Wohl von jener Zeit an führten diese den Titel ״Gaon“. d. h. Stolz, Hoheit Es ist möglich, daß diese auszeichnende Benennung dem ersten Träger, den wir übrigens, da die Quellen sich widersprechen, nicht genau ermitteln können, vom Kalifen verliehen wurde, der auch den christlichen Untertanen seines Reiches ein Oberhaupt mit weitreichenden Befugnissen, in der Person des Katholikos, gegeben hatte. Aber keineswegs wurde in den Kreisen der jüdischen Bevölkerung, wie seitens der Geonim selbst, der Ehrentitel auf dessen Inhaber allein bezogen. Vielmehr wurde das Oberhaupt einer Jeschiba mit den inhaltvollen Worten ראש ישיבת גאון יעקב bezeichnet. Schon die beiden letzten Ausdrücke, dem Ps. 47 entnommen, weisen darauf hin, daß die Hoheit, mit der die Geonim bekleidet waren, allein aus dem Recht und zugleich auch der Pflicht, das höchste Krongut der jüdischen Gesamtheit, die Lehre und ihre Auslegung zu hüten, herzuleiten war. Von der gewissenhaften Erfüllung ihrer Aufgäbe hing die Bewahrheitung des Schriftwortes ab: Gott erwählt für uns unser Erbteil, den Stolz Jacobs, den er liebt. ף Es sei hier für diejenigen, die sich über diese Zeit besonders unterrichten wollen, auf mein Werk verwiesen: Beiträge zur Gesch. n. Literatur im geonäischen Zeitalter, Berlin 1913 (bei Aamm).

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