Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1915)
- Date
- 1915-05-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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212 Der heilige Egoismus und das gottgesegnete Volk. streut und allesamt Brüder nicht nur im Glauben, sondern auch nach dem Blute. Daher greift das Schicksal der gesamten Judenheit in diesem Kriege tief in unsere Seele und wir gedenken der Leiden unserer Brüder in allen vom Kriege heimgesuchten Ländern und sinnen über die Zukunft, die dem Judentum aus diesem Weltkriege erwachsen soll. Aber es ist immer nur das Glück und die Ehre unseres Landes und der Glieder unserer Glaubensgemeinschaft, die da in Frage stehen. Gewaltige Werte, aber ihre Träger sind Menschen und das Ziel: das Glück hienieden. Aber höher als Alles, als alle Ideale dieser Welt und alle Empfindungen für den Volks- und Glaubensgenossen steht für uns unser Gott. Ihn sollen wir lieben mit unserem ganzem Herzen und mit unserer ganzen Seele und mit unserer ganzen Kraft. Nichtswürdig das Volk, so sagt das Dichterwort, das nicht sein Alles setzt an seine Ehre. Nichts würdiger die Glaubensgemeinschaft, so fügen wir hinzu, die nicht ihr Alles einsetzt für die Ehre ihres Gottes. Wir haben freilich nur Gedanken und Worte eingesetzt, Es sind die einzigen Mittel, die uns zu Gebote stehen. Vielleicht aber bewährt auch das Wort seine Kraft und sammelt den ganzen Hafi und die Verachtung, die zumeist gegen die gelenkt werden, die uns Böses getan, auf die Häupter derer, die den Ewigen gelästert und das Heilige entweiht. Denn nur dann ist die Menschheit der Erlösung wert, wenn ihr die Ehre Gottes höher steht als die eigene.