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Jeschurun · 1915-05-01 · Heft 5 (Mai 1915) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 5 (Mai 1915)
Date
1915-05-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Der heilige Egoismus und das gottgesegnete Volk. 207 die bis ins einzelne mit der größten Sorgfalt abgewogen war. Begriff und Wort kehrten auch immer in der italienischen Presse wieder und der jetzige Heros eines großen Teils Italiens, Gabriele d’Annunzio, hat dies Wort ja zum Angelpunkt seiner Bede auf dem Quarto gemacht, indem er die Seligpreisungen der Bergpredigt auf die angewandt, die jetzt gegen die Zentralmächte in den Krieg ziehen würden. Es ist nicht unsere Sache, sondern wäre Sache der gesamten Christenheit, gegen die Schändung ihres Allerheiligsten, die d’Annunzio verübt, sich zu erheben. Unter den Werken und Worten des christlichen Religionsstifters nimmt die Bergpredigt für das Christentum die höchste Stellung ein; aus diesen Worten leitet es den Anspruch her, die vollkommenste und die absolute Religion zu sein. Und diese Worte wendet der Sprecher eines ganzen Volkes, oder doch eines großen Teils dieses Volkes, auf den größten Schurkenstreich an, den menschliche Niedertracht ersinnen kann. Und in der Christenheit bleibt alles ruhig, sie schweigt zu dem, was nach ihrer religiösen Überzeugung doch eine nie erhörte Gotteslästerung enthält 1). נ) Diese Verwilderung des sittlichen Geistes, das muß energisch hervorgehoben werden, ist nicht nur eine Folge des Krieges. Der Krieg hat die Erscheinungen nur ausgelöst, die wahren Ursachen liegen tiefer. Wir haben schon einmal in dem Aufsatz »Der Krieg und die Moral“ (Jeschurun I, Heft 10; darauf hin gewiesen. Es ist der Widerspruch, der zwischen Leben und Lehre überall herrscht und stillschweigend als berechtigt anerkannt wird. Wie durfte ein Mann von den sittlichen Qualitäten eines d’Annunzio als Verkünder von Idealen auftreten, ohne daß ihm ein Schrei der allgemeinen Entrüstung antwortete. Ist es aber bei uns anders? Ohamberlain hat in seinem großen Werke »Die Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts“ die sittliche Minder- Wertigkeit des jüdischen Geistes auf hunderten von Seiten gezeichnet. Inzwischen hat er durch die Tat bewiesen, auf welch sittlicher Stufe er selber steht. Die Familie Wagner hat vor der breitesten Öffentlichkeit einen Prozeß sich abspielen lassen, vor dem die Hefe des Volkes sich scheuen würde. Ein vornehmes Glied des Hauses hat um den Preis gerungen, daß es durchaus ein aus dem Ehebruch der Mutter erzeugtes Kind sei. Aber Ohamberlain hat darum nicht das Recht verloren, sich

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