Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1915)
- Date
- 1915-05-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Der heilige Egoismus und das gottgesegnet• Volk. 203 lob. Wir wünschen den Frieden, weil er allein uns bereits eine immer höhere Steigerung unserer Macht gewährleistete. Daß wir Rußlands Schwäche während des russisch-japanischen Krieges nicht ausgenutzt, entsprang sicher nicht einem besonderen Edelmut, sondern dem berechtigten Widerstreben gegen einen Präventivkrieg von so außerordentlicher Tragweite. Und wenn wir das Bündnis mit England gegen Rußland abgelehnt, so war sicher auch hier der Gedanke maßgebend, daß England uns in einen Krieg mit Rußland würde hineinhetzen können, damit wir seine Schlachten schlagen, wie das bisher die Aufgabe aller seiner Verbündeten gewesen. Wir empfinden diesen Krieg von unserer Seite als einen Yertei digungskrieg, als einen Akt der Notwehr, als einen Kampf um unser Dasein und daher als ein Handeln nach Recht und Gerechtigkeit. Wir sind überzeugt, daß unsere Gegner im Unrecht sind. Und wir haben in einem früheren Aufsatz jedem unserer Gegner seinen Anteil an der Schuld für die Entzündung des Weltbrandes vorgehalten1). Aber es wurde in dieser Zeitschrift ebensowenig ein Hehl daraus gemacht, daß wir die Schürung des Völkerhasses für verwerflich halten, daß zwischen den Völkern selbst und den Anstiftern des Krieges zu unterscheiden ist und daß wir vor allem in das allgemeine Verdammungsurteil, das sich gegen England richtet, nicht einstimmen können. Es herrscht bei allen diesen Gefühlsaußerungen immer noch die Vorstellung, daß der Krieg eine Art ritterlicher Zweikampf ist und wir daher den Völkern gegenüber, die den Krieg nicht in dieser Weise auffassen, besonders erbittert sein müssen. Eine Vorstellung, die angesichts der unmenschlichen Art der jetzigen Kriegsführung und der Motive, aus denen heraus die Völker zu den Waffen greifen, sehr seltsam ist. Wenn die Kulturnationen den unkultivierten Völkern ihre Länder wegnehmen, so findet man das nur in derOrdnung, ja als Italien ohne jedweden Grund der Türkei den ״Der Weltkrieg* Jeschurun I S. 250—272 bes. S. 256—260.