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Jeschurun · 1915-04-01 · Heft 4 (April 1915) · page 45

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 4 (April 1915)
Date
1915-04-01
Page
– (sequence 45)
Language
German
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Jacob Barth. 197 eines der Hauptmittel für die Erhaltung und die Rettung der überlieferten Lehre unter den Juden, vor denen die Tore des Ghetto gefallen waren. Und nur eines ist zu beklagen, daß, wie so oft in der neueren Geschichte des Judentums, die rechte Gelegenheit verpaßt war, die Gesetzestreuen mit dieser Institution als die Letzten auf den Plan traten, als durch die Wirksamkeit von Reformrabbinern bereits unabsehbarer Schaden an gerichtet war. Eine Institution wie das Rabbinerseminar würde nur hinvegetieren, ohne ein rechtes Leben zu entfalten, wenn nicht bei ihrer Gründung ein beherrschender Gedanke sich durchge setzt und die Leiter der Institution nicht diesem Gedanken auch in der Folge Treue bewahrt. Es ist nicht charakteristisch genug, wenn man das durch die Forderung wiedergibt, der Yerbindung von תורה und דרך ארץ, von jüdischem Wissen und Kultur. Denn die Jünger der osteuropäischen Jeschibas können es sich mit Recht verbitten, wenn man ihnen die Kenntnis und die Betätigung des דרך ארץ abspricht, nur weil sie nicht die konventionellen Formen von Europas übertünchter Höflichkeit hat, und andererseits machen die Bildungsstätten liberaler Rabbiner Anspruch darauf, Pflanzstätten der Thora zu sein. Wollen wir die Besonderheit des Rabbinerseminars zu Berlin unzweideutig zum Ausdruck bringen, so kann das nur mit Benutzung eines Ausspruchs von Esriel Hildesheimer geschehen. Sie ist begründet in der Kampfesstellung zum ״deutschen und ungarischen Chassidismus“. ״Deutscher Chassidismus“, das ist eine ganz treffliche Bezeichnung für den Charakter der Religiosität, den die Reform dem Judentum verliehen hat. Nachdem sie durch ihre kritischen und literarhistorischen Schriften dem überlieferten Judentum den Boden unter den Füßen fortzuziehen versucht, zuerst die mündliche und dann die schriftliche Lehre als Menschensatzung hingestellt, blieb als Inhalt der jüdischen Religion nur ein spärlicher Rest übrig, der für die Theorie sich mit ein paar dogmatischen Vorstellungen und in der Praxis mit der Pflege des religiösen Gefühls begnügte. In Orgelklang und Chorge-

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