Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 4 (April 1915)
- Date
- 1915-04-01
- Page
- – (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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196 Jacob Barth. predigten beteiligte sich das gesamte Dozentenkollegium an der Kritik. Er war immer derjenige, der mit den stärksten Worten die Predigten verwarf, die sich an der Vermittelung nüchterner Wahrheiten genug sein ließen. Keine Predigt fand in seinen Augen Gnade, in der nicht die Zuhörer zur lebendigen Tat angefeuert wurden, in denen das Bibelwort nicht eine solche Verwendung gefunden, daß es die Kraft bewies, dem Hammer gleich den Felsen zu spalten. In der sachlichen Erklärung des Bibelwortes aber, da sollte nach ihm der פשט zu seinem Rechte kommen. =*כ * Den Gelehrten und Lehrer haben wir zu charakterisieren gesucht, was er der Wissenschaft war und was seinen Schülern. Da die von ihm bearbeitete Disziplin eine Hilfswissenschaft ist der ״jüdischen Theologie“, um dies gebräuchliche, wenn auch unangemessene Wort anzuwenden, da er nicht nur TJniversitätsprofessor, sondern auch Dozent am Rabbinerseminar war, so stand an und für sich, wie bereits ausgeführt, seine Arbeit im Dienste des Judentums. Aber das gilt in einem noch tieferen und umfassenderen Sinne, als es aus den bisherigen Ausführungen hervorzugehen scheint. Darüber noch einige Worte! Barth kam nach Berlin, um Rabbiner zu werden. Mit den ehrwürdigen und verdienten Rabbinern Carlebach-Lübeck, Marx-Darmstadt,Cahn-Fulda u. a. bildete er das Zentrum des ״deutsehen Kreises“, der sich um Esriel Hildesheimer זצ״ל scharte, neben dem ״ungarischen Kreise“, der dem Lehrer aus Eisenstadt gefolgt war. Von diesem ״deutschen Kreise“ ging die Anregung zur Gründung des Rabbinerseminars aus. Wie die Meinungen auch über die Berechtigung und Notwendigkeit von Bildungsanstalten für Rabbiner innerhalb des Judentums auseinandergehen mögen, welche Stellung man auch im allgemeinen zum alten Raw und zum modernen Rabbiner einnehmen mag, eines ist klar und nur von Fanatikern und Toren anzufechten: In der Lage, in der sich das gesetzestreue Judentum in Westeuropa befand, bedeutet die Gründung des Rabbinerseminars