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Jeschurun · 1915-04-01 · Heft 4 (April 1915) · page 43

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 4 (April 1915)
Date
1915-04-01
Page
– (sequence 43)
Language
German
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Jacob Barth. 95 ג Der lebendige Anschauungsunterricht, den die Schüler durch diese ehrliche Abgrenzung zwischen Glauben und Wissen erhielten, trug nun Früchte für ihre Lehr- und Meisterjahre. Was sie hier an einem großen Muster gelernt, das wandten sie sinngemäß auf die mannigfachen anderen Konflikte an, in die der Gegensatz zwischen dem Zeitgeist und der überlieferten Lehre jeden Denkenden unter uns verstrickt. Das war, wie erwähnt und wie uns dünkt, der Hauptgewinn. Daneben natürlieh die lebendige Übermittelung jener Methode der Bibelerklärung, die wir geschildert. Weil ihr eigentlicher Wert nicht so sehr in der Fülle sogenannter neuentdeckter Wahrheiten lag, sondern in der Anwendung dieser Methode, derart, daß dem Hörer gezeigt wurde, wie die Einsicht in das Verständnis des Bibelwortes zustande kommt, so mochte manches Einzelne in Vergessenheit geraten, die Erkenntnis von der Bedeutung dieser Methode, der Sinn für den פשט, die Lust, ihn zu suchen, und die Fähigkeit, ihn zu finden, blieb unverloren. Selbstverstündlich gab es Hörer, die, gefühlsmäßig oder geradezu stürmisch temperamentvoll veranlagt, ihr Bedürfnis für die Auslegung der Methode des דרש nicht befriedigt fanden. Wie jener Mathematiker nach einer Vorstellung des ״Faust“ zu denen, die ihn in das Theater geschleppt, bemerkte: ״Aber meine Herren, was wird denn damit bewiesen?!“, so sagten sie nach der anderen Seite: Was sollen uns Erwägungen und Beweise, wo wir ergriffen und fortgerissen sein wollen? Aber die Hörer einer akademischen Anstalt sind eben keine Herde, die ihrem Dozenten blind und ohne jedes eigene Urteil folgen sollen. Einen Nutzen haben auch sie davongetragen, dadurch, daß sie gezwungen waren, aus ihrem eigenen Selbst herauszutreten, auch einmal die andere Seite zu hören, mögen sie auch ihrer Art, das Bibelwort zu betrachten, später treu geblieben sein. Wir glauben ein klares Bild von der Art der exegetischen Vorlesungen Barths gegeben zu haben. Um jeder Mißdeutung vorzubeugen, sei noch ausdrücklich hervorgehoben, daß Barth nichts ferner lag als die Meinung, die Wirksamkeit des Habbiners solle eine rein verstandesmäßige sein. Bei den Ubungs-

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