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Jeschurun · 1915-04-01 · Heft 4 (April 1915) · page 42

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 4 (April 1915)
Date
1915-04-01
Page
– (sequence 42)
Language
German
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194 Jacob Barth. Daß das der Ausdruck seiner wissenschaftlichen Überzeugung war, und daß ihn die Scheu, durch willkürliche Ausstopfung von Lücken die Geschlossenheit systematischer Dar- Stellung vorzutäuschen, daran gehindert hat, den Wunsch nach jüdischen Kommentaren der Bibel zu erfüllen, dafür möchte ich noch einen Beweis aus seiner Betätigung auf einem anderen Forschungsgebiet erbringen. Er hatte den Auftrag übernommen* eine Grammatik des Hebräischen zu schreiben. Wer zweifelt daran, daß ein gerade auf diesem Gebiete so schöpferischer Geist wie Barth, der den Befähigungsnachweis auch für systematische Darstellungen in so klassischer Weise durch sein Werk ״Die Nominalbildung in den semitischen Sprachen“ erbracht* seine Aufgabe mindestens so gut hätte lösen können wie ein Gesenius, Ewald, Olshausen und König. Er hatte seit Jahren schon die Hälfte der Arbeit liegen und konnte sich doch nicht entschließen, sie zum Abschluß zu bringen und zu veröffentliehen. Und der Grund? Die Fülle der ״Ausnahmen“, meinte er mir gegenüber, mache es ihm unmöglich, eine Zusammen- Stellung der ״Regeln“ zu geben. Und diese ״Ausnahmen“ in ein Prokrustesbett systematischer Gruppierungen zu bringen und mit subjektiven Zutaten um jeden Preis Systematik zu treiben, ging wider seine Natur1). J) Selbstverständlich, waren auch andere Gründe rnitbestimmend für seine Zurückhaltung. Unter anderem auch der, daß es ihm schwer wurde, Dinge zu veröffentlichen, die schon einmal gesagt waren. Eine Grammatik für Fachgenossen: ja! aber eine Grammatik für Studenten, in der alles Elementare, schon hundertmal Gedruckte, noch einmal gesagt werden mußte: nein! So hätte er bei einem fortlaufenden Korn־ mentar die tausendmal gegebenen Erklärungen noch einmal wiederholen müssen. Darum war er auch so schwer zu bewegen — auch das u. E־ ein. Fehler seiner Tugend —, die breitere Öffentlichkeit über Probleme der Bibelforschung und die gewaltige Neuorientierung in der Geschichte des Ostens zu unterrichten. An Vorträgen in kleinem Kreise ließ er es genügen. Zur Zeit des Babel- und Bibelstreits gab er dem dringenden Ersuchen nach. Seine Schrift: ״Babel und israelitisches Keligio ns wesenw (Mayer und Müller, Berlin 1902), deren Lektüre wir unsern Lesern ans Herz legen, beweist, wie sehr er nach Inhalt und Form den Ton edler Popularisierung zu treffen wußte.

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