Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 4 (April 1915)
- Date
- 1915-04-01
- Page
- – (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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Jacob Barth. 193 Moment bot vielleicht seinen Hörern den im höchsten Maße positiven Gewinn aus seinen exegetischen Vorlesungen. Überflüssig zu bemerken, daß ein gebildeter Mann und ein so echter Jehudi, wie Barth es war, bei der Erklärung des Buches Hiob» bei den berühmten Prophetenstellen in der Erörterung der ergreifenden Psalmen seinen Schülern den tiefen Gehalt jener Gedanken- und Gefühlswelt zu vermitteln vermochte. Nicht minder überflüssig, darauf hinzuweisen, welche Sicherheit die Zuhörer überkam, wenn sie einen Mann das Schriftwort erklären hörten, vor dessen Augen alle Wurzeln der Sprache aufgedeckt lagen, der in sorgfältigster Vorbereitung jedes Wort mit allen stammverwandten verglichen hatte, aus dessen Schriften die Wörterbücher schöpften, und der, wenn irgend Einer, ihnen die Gewähr bot, daß sie den ursprünglichen Sinn des Bibelwortes erkannten. Von entscheidender Bedeutung aber für alle, die überhaupt Sinn für wissenschaftliche Eorschungsmethode hatten, war der Ausdruck der ehrlichen Überzeugung, der dann aus ihm sprach, wenn er sein ״ איני יורעich weiß es nicht״ verkündete. Jedem, der einen der unzähligen nichtjüdischen Kornmentare zur Hand genommen, der in die Schriften von Geiger, Gräz, Ehrlich usw. hineingesehen hatte, war es bekannt, wieviel Konjekturen es da gab, wie scheinbar spielend da Schwierigkeiten gelöst wurden und wie bestechend oft die Lösungen erschienen, daß man versucht war, auszurufen: Das ist die Wahrheit! Aber jeder, der Barth hörte, trug es als unerschütterliches Bewußtsein mit heim: Was er sagte, war nicht ein Zugeständnis an sein Amt, nicht feiger Gedanken bängliches Schwanken. Wir müssen, das war seine Überzeugung, nicht nur deshalb den Text in der uns überlieferten Gestalt bewahren, weil wir ein heiliges Erbe zu hüten haben, sondern weil es eine unverzeihliche Kühnheit und ein Leichtsinn ist, auf Grund unserer subjektiven Gedankengebilde zu erklären: so müsse dieser Auspruch, der vor Jahrtausenden über besondere Verhältnisseund mit Bezugnahme auf uns unbekannte Ereignisse gefallen ist, lauten; und weil jederTag neueFunde und damit neue Parallelen ans Licht bringen kann, die das vorher Unverständliche erklären•