Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 4 (April 1915)
- Date
- 1915-04-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2292929-2292942-2292947--00697-2293939- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
182 Jacob Barth. handelte, erregt aber in uns schmerzliche Sehnsucht, wenn der Verblichene im Dienste eines idealen Strebens stand. Und wenn ein solches Leben vor dem den Menschen im allgemeinen gesteckten Ziele jäh abbrach, so steigert sich dies Empfinden zur intensiven Trauer um den Verlust, den die Menschheit erlitten. Geh. Regierungsrat Jacob Barth זצ״ל, a. 0. Professor an der Berliner Universität und Dozent am Rabbinerseminar, zählt zu den Männern, mit deren Heimgang unwiederbringliche Werte verloren gehen. Das dem Bewußtsein eines größeren Kreises näher zu bringen, ist der Zweck der folgenden Erörterungen 1). Dem Laien ist Sinn und Bedeutung der Geisteswissenschäften nicht recht klar. Er schätzt die Naturwissenschaft und Technik, die Nationalökonomie und Rechtswissenschaft, begreift aber nicht, weshalb den Geisteswissenschaften ein solcher Raum in unserer Erziehung und in unserem Leben angewiesen wird. Er bedenkt nicht, daß dem Menschen ein Streben nach Erkenntnis an sich innewohnt, daß er vor allen Dingen und Erscheinungen, mögen sie nun körperlicher oder seelischer Natursein, zu ergründen sucht, woher sie kommen, wohin sie zielen und was sie sind. Dem in seiner Literatur heimischen Juden läßt sich das an der Analogie des Begriffes לשמה klar machen. ״Thora לשמה um ihrer selbst willen lernen“ bedeutet nicht nur dem Studium ohne Erwartung irdischen Vorteils und jenseitiger Belohnung sich hingeben, sondern es will sagen: Man treibe das Studium selbst unter der Voraussetzung, daß es für das praktische Leben keine Anwendung findet, wie das z. B. von der Beschäftigung mit den Opfervorschriften gilt. Der Laie hat wohl gehört, daß rein theoretische Erörterungen zu den größten Entdeckungen und Erfindungen geführt, daß die Diskussion darüber, ob die Erde eine Scheibe ף Wir kommen hiermit der Zusage nach, die wir im Jeschurun I Heft 11 gegeben. Wir wollten, wie wir dort bemerkten, die eingehende Würdigung der Wirksamkeit Barths auf eine ruhigere Zeit verschieben und konnten nicht ahnen, daß der Friedensschluß sich so lange ver-