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Jeschurun · 1915-04-01 · Heft 4 (April 1915) · page 29

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 4 (April 1915)
Date
1915-04-01
Page
– (sequence 29)
Language
German
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Jacob Barth. 181 Im Zusammenhänge des Themas noch eine kleine Ergänzung: Eine der köstlichsten Perlen des Talmuds, die im Bambergerschen Aufsatz unerwähnt gelassen wurde, ist die Erzählung Baba JMezia 85 a. Sie lautet: ״Die Leiden Babbis, infolge einer Tat kamen sie über ihn, und infolge einer Tat wichen sie von ihm. Infolge einer Tat kamen sie über ihn. Was bedeutet das? Ein Kälbchen, das zur Schlachtbank geführt ward, riß sich los und schmiegte sich angstvoll schreiend an den Schoß Babbis. Doch dieser rief: ״Fort! Denn dazu wardst du geschaffen.“ Da1 rief man (vom Himmel): ״Weil er kein Erbarmen hat, sollen Leiden über ihn kommen.“ Und durch eine Tat wichen sie von ihm: Einst säuberte die Magd Rabbis das Haus und stieß dabei auf junge Mäuschen. Sie wollte sie wegfegen. Da rief Babbi: ״Laß sie! Denn es steht geschrieben: Sein Erbarmen ist über alle seine Geschöpfe.“ Da rief man (vom Himmel): ״Weil er Erbarmen hat, wollen wir uns seiner erbarmen.“ Es ist bemerkenswert, daß diese Erzählung Anlaß gab zu einer Anfrage an den Gaon Scherira, ob ״in Anbetracht der Leiden Babbis, von denen es heißt, daß sie durch eine Tat gekommen und durch eine Tat gewichen sind, derjenige, der Tiere nicht schlachtet und Mäuse und dergl. nicht vertilgt, recht tut.“ Der Gaon, dessen Bescheid uns erhalten ist, beantwortet die Frage vom halachischen Stand־ punkte und führt dann aus, daß für Rabbi andere Grundsätze galten als für Metzger und Mägde. Halachisch liegt die Sache sehr einfach: Gewiß darf man Kälber schlachten und Mäuse vertilgen. Aber es gibt noch einen anderen Standpunkt als den gesetzlichen. Halachische Be- Stimmungen und religionsphilosophische Grundsätze lassen sich aus dieser haggadischen Erzählung nicht ableiten. Sie liegt jenseits verstandesmäßiger Schlüsse. Wer sie recht verstehen will, muß sie mit dem Herzen lesen. Der Geist, der aus ihr spricht, spricht Bände über die Auffassung, die das Judentum von der Tierwelt hat. mii׳ 3acob Barth. אין אדם מת וחצי תאותו בעולם Keiner, der stirbt, hat auch nur die Hälfte seines Begehrens verwirklicht gesehen. Dieser Satz unserer Weisen gewährt uns eine sittliche Befriedigung dort, wo es sich um ein Trachten nach materiellem Gewinn

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