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Jeschurun · 1915-04-01 · Heft 4 (April 1915) · page 28

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 4 (April 1915)
Date
1915-04-01
Page
– (sequence 28)
Language
German
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180 Noch einmal über Tierschutz. vorangehen lassen. ״Gelobt seist du. Ewiger, König der Welt, durch dessen Wort alles entstanden ist.“ Die Dinge verdanken ihr Dasein nicht dem Zufall, sie sind ein Geschenk Gottes, das wir mit Achtung behandeln und nichts nutzlos vergeuden sollen. Jene Wertschätzung bedeutet aber auch den Ausdruck der Dankbarkeit für den Spender alles Guten. Wir sollen sie deshalb nicht nur betätigen, wenn die Not uns dazu drängt, sie soll vielmehr ein Ausfluß unseres religiös-sittlichen Empfindens, ein Bestandteil unserer gesamten Weltanschauung sein. Noch einmal über Tierschutz. Von Rabb. Dr. S. Kajatz, Hindenburg O.S. In den. instruktiven Aufsätzen von Bamberger und Heinemann über Tierschutz (Jeschurun 2 und 3) wurde mehrfach auf Schopenhauer und dessen unrichtige Behauptungen über die in Frage kommenden jüdischen Lehren hingewiesen. Hierzu eine kleine Ergänzung: Schopenhauer ereifert sich in fanatischem Haß besonders über den Satz Sprüche 12,16. Er schreibt darüber: ״Was sagt jene Stelle? Der Gerechte erbarmt sich seines Viehes.“ — ״Erbarmt!“ — welch ein Ausdruck! Man erbarmt sich eines Sünders, eines Missetäters, nicht aber eines unschuldigen treuen Tieres, welches oft der Ernährer seines Herrn ist und nichts davon hat, als spärliches Futter. ״Erbarmt“. Nicht Erbarmen, sondern Gerechtigkeit ist man dem Tiere schuldig.“ (Reclam V 391.) Um diese Kritik ganz zu würdigen, muß man den grimmen Zorn kennen, den Schopenhauer gegen die ergießt, welche lateinische Schriftsteller nach einer deutschen Übersetzung zitieren z. B.: ״An euem Schriftsteilem, die kein Latein verstehen, werdet ihr bald nichts anderes als schwadronierende Barbiergesellen haben.“ Was soll man nun dazu sagen, wenn man den Urtext der Bibel aufschlägt und sieht, daß Schopenhauer bei seiner absprechenden Kritik des Satzes den Urtext ganz unberücksichtigt gelassen und sich lediglich an die Luther sehe Übersetzung gehalten hat. Die Stelle lautet nämlich: ״ יודע :צדיק כפם בדלכלרזוDer Gerechte kennt die Seele seines Viehes.“ Das an sich schon künstlich verschraubte Urteil Schopenhauers wirkt nun einfach lächerlich.

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