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Jeschurun · 1915-04-01 · Heft 4 (April 1915) · page 27

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 4 (April 1915)
Date
1915-04-01
Page
– (sequence 27)
Language
German
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Die Ehrerbietung vor dem Brote. 179 mitsamt der Erde und den dazwischenliegenden Brotresten auf und warf alles in den Fluß. Da hörte er, wie der Dämon klagend ausrief: ״Nun hat er mich wieder um meine Beute ge־ bracht!“ — In einer ganzen Reihe von Vorschriften wird da־ vor gewarnt, Speisen verächtlich zu behandeln, und bei dem Brot hebt der Talmud (Berachot 50b) vier Dinge besonders hervor: man lege kein rohes Fleisch auf das Brot, man halte keinen gefüllten Becher über das Brot (damit es nicht etwa durch das herausfließende Getränk ungenießbar werde), man werfe das Brot nicht umher, und man stütze kein Gefäß, indem man Brot darunter legt. Von R. Akiba wird erzählt (Derech Erez. Kap. 9), daß er einmal bei einem Manne zu Gast war. Da nahm der Mann ein Stück Brot und legte es unter die Schüssel, um sie zu stützen. R. Akiba ergriff das Brot und aß es. Rabbi, sagte darauf der Mann, meinst du denn, es stünde dir kein anderes Brot zur Verfügung als das Stückchen, mit dem ich die Schüssel stütze? Nun, erwiderte R. Akiba, ich glaubte, du würdest dich schon am warmen Wasser verbrennen, ich sehe aber, daß du nicht einmal die Hitze des heißen Wassers verspürst (d. h. ich glaubte, du würdest schon durch eine leise Andeutung auf das Unstatthafte deines Tuns aufmerksam werden). — Allgemein gilt auch die Vorschrift: ״Man darf nicht an Speisen, die auf der Straße liegen, vorübergehend man muß sie vielmehr auf heben, damit sie nicht durch die Wanderer zertreten und so verächtlich behandelt werden. Wenn heute unablässig die Sparsamkeit mit dem Brote zur Pflicht gemacht wird, so ist das Motiv die Rücksicht auf die Allgemeinheit. Mit jedem Stückchen Brot, das du vernichtest, versündigst du dich am Vaterlande, das ist der Grundton bei allen Ermahnungen, die dem Volke gegeben werden. So berechtigt indessen dieses Motiv an sich auch ist, so ist doch die jüdische Auffassung eine höhere. In der Wertschätzung des wichtigsten Nahrungsmittels wie der Gottesgabe überhaupt liegt eine Anerkennung Gottes als des Schöpfers aller Wesen. Wir sprechen diesen Gedanken ja auch in den Segenssprüchen aus, die wir aUen Genüssen

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