Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 4 (April 1915)
- Date
- 1915-04-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Ehrerbietung vor dem Brote. 177 stattet, vom neuen Getreide zu genießen. Für die Mehlopfer im Heiligtum, die aus Weizen bestanden, durfte erst vom Wochenfeste an die neue Frucht verwendet werden. An diesem Tage wurden die beiden Brote שתי הלחם als Erstlingsopfer vom neuen Weizen dargebracht, und von ihnen hat das Fest seinen Beinamen ״Tag der Erstlinge“. Die Benutzung der neuen Frucht für den heiligen wie für den profanen Gebrauch wird also durch ein Huldigungsopfer eingeleitet, durch das die Bedeutung des Korns für das menschliche Leben zu einem sprechenden Ausdruck gelangt. Der Psalmist endlich, der das Walten Gottes in Natur und Geschichte in jenem Loblied besingt, dessen Refrain das: ״Ewig währt seine Güte“ bildet, läßt seinen Psalm ausklingen in die Worte: ״Er gibt Brot allen Geschöpfen“. Und gerade wegen dieser Lobpreisung Gottes als des Herrn, der ״in der Höhe der Welt thront und allen Geschöpfen Nahrung zuteilt“, hat man nach den Worten R. Jochanans (Pesachim 118 a) diesem Psalm die Bezeichnung ״ הלל הגדולdas große Loblied“ beigelegt. Mußte nicht das Bewußtsein, daß Gott selbst als der Spender des Brotes gepriesen wird, dieser Gottesgabe Achtung und Ehrerbietung sichern? Noch mehr aber als in der heiligen Schrift tritt diese Wertschätzung bei unseren Weisen hervor. Sie haben bekanntlieh für jeden Genuß ein Benediktion angeordnet, denn ״wer von den Gütern dieser Welt genießt, ohne dafür Gott, den Spender alles Guten, zu preisen, der hat gleichsam Geheiligtes zum profanen Gebrauch herabgewürdigt“ (Berachoth 35a)# Bei dem Brot aber begnügten sie sich nicht mit dem allgemeinen Segensspruch, der für alle Erdfrüchte bestimmt ist, hier wird Gott ein besonderer Segen gewidmet als dem, ״der das Brot hervorbringt aus der Erde“. Denn dem wichtigsten Nahrungsmittel, das, wie die Midraschlehrer betonen, in Thora, Propheten und Hagiographen als Labung des Herzens bezeichnet wird (Bereschit Rabba Kap. 48) gebührt ein besonderer Segen. Und ebenso wird auch das Tischgebet, das die Thora nach der Sättigung zu sprechen gebietet (V. B. M. 8,10), nur nach dem