Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 4 (April 1915)
- Date
- 1915-04-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2292929-2292942-2292947--00691-2293933- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1/6 Die Ehrerbietung vor dem Brote. und wünschen sich zurück ״zu den Fleischtöpfen Ägyptens“. Gott aber läßt ihnen sagen: ״Siehe, ich lasse euch Brot regnen vom Himmel“ (IL B. M. 16,4). Das Manna also, die himmlische Speise, das der Psalmist ״ ,להם אביריםNahrung höherer Wesen“ und ״ דגן שמיםKorn des Himmels“ nennt, dem unsere Weisen eine gewissermaßen geistige Natur zuschreiben, weil es נבלע באברים sich dem menschlichen Organismus restlos assimilierte, wird als לחם, als Brot bezeichnet. Unter den sieben besonders gerühmten Erzeugnissen des heiligen Landes (V. B. M. 8,8) stehen Weizen und Gerste an erster Stelle. Im Heiligtum stand neben dem heiligen Leuchter und dem Räucheraltar der goldene Tisch, auf dem an jedem Sabbat die Schaubrote להם הפגים niedergelegt wurden. In der Symbolik unserer Weisen ist der heilige Tisch das Bild des Reichtums: wie der Leuchter daraufhinweist, daß die geistige Erleuchtung vom Heiligtume ausgeht, so will der Tisch andeuten, daß auch die materielle Segensfälle dem Heiligtum entströmt. Und wenn das Brot auf diesem Tische als die Grundläge alles Wohlstandes, als Sinnbild der von Gott gespendeten Lebenserhaltung erscheint, so erhält es dadurch schon eine höhere Weihe. Der Anfang der Ernte war mit einer religiösen Feier verbunden, und die erste reife Gerste wurde als Omer im Heiligtum am 2. Tage des Pesachfestes zum Opfer gebracht. Im 3. Buch Moses (23, 10) heißt es: ״Wenn ihr in das Land kommet, das ich euch gebe, und Ernte darin haltet, so bringet das Omer, das erste eurer Ernte, zu dem Priester. Und er schwinge das Omer vor dem Ewigen, zum Wohlgefallen für euch, am Tage nach der Feier schwinge es der Priester.“ Das Schneiden der Gerste für das Omeropfer geschah am Vorabend des zweiten Pesachtages unter großen Feierlichkeiten, die uns in der Mischna ausführlich geschildert werden. Seitdem in den Kämpfen zwischen Pharisäern und Sadduzäern der Tag der Omer Schwingung zu einem Streitpunkt zwischen beiden Parteien geworden war, legten die Weisen noch besonderen Wert darauf, daß die Zeremonie unter großer Beteiligung vor sich gehe. Erst wenn das Omer dargebracht war, war es ge-