Mannheim
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Jeschurun · 1915-04-01 · Heft 4 (April 1915) · page 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 4 (April 1915)
Date
1915-04-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
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Die Ehrerbietung• vor dem Brote 175 Die Ehrerbietung vor dem Brote. Yon Dr. Isak Unna, Rabbiner in Mannheim. Überall in den deutschen Gauen vernimmt man jetzt die Mahnung zur Sparsamkeit, zur sorgsamen Behandlung des wichtigsten Lebensmittels für den Menschen, des Brotes. Mit eindringlichen Worten wird dem Volke die Achtung vor dem ״heiligen Brote“ eingeschärft, wird die Verantwortung dessen, betont, der ein Stückchen Brot nutzlos vergeudet. Wir waren gewohnt, den Überfluß an Brotgetreide als etwas Selbstverstündliches, Naturnotwendiges zu betrachten. Die ״Hungersnot“ der früheren Zeiten, von der uns die Bibel so oft und so anschaulich erzählt, erschien uns wie ein Märchen aus längst entschwundenen Tagen. Schien ja der Weltverkehr, der aus der ganzen Erde nur eine große Stadt gemacht hat, eine solche Not, die jeden einzelnen zur Sparsamkeit, zum Haushalten mit den Erzeugnissen des eigenen Landes zwingt, für alle Zeiten unmöglich gemacht zu haben. Der Krieg hat uns auch hier eines Besseren belehrt, hat uns den Wert des Brotes, der wichtigsten Gottesgabe, von neuem anschaulich gemacht. Für uns Juden freilich ist diese Ehrerbietung vor dem Brote nichts Neues. Aus der jüdischen Auffassung, daß ״dem Ewigen die Erde gehört, und was sie füllet“, ergibt sich von selbst die Wertschätzung jeder Gottesgabe, die aber durch das Verbot von בל תשחית auch eine gesetzliche Grundlage erhält. Die Thora verbietet auch während einer Belagerung die Fruchtbäume zu fällen (לא תשחית את עצה), und sie begründet dieses Verbot mit den Worten: ״Denn du genießest davon, darum sollst du ihn nicht umhauen.“ Unsere Weisen leiten daraus die allgemeine Vorschrift ab, nichts von Gott Geschaffenes zu zerstören. Es ist bei dieser Anschauung natürlich, daß dem Brot als dem wichtigsten Nahrungsmittel des Menschen eine besondere Vorzugsstellung eingeräumt wird. Nach dem Auszug aus Ägypten kommen die Kinder Israel in die Wüste. Da sie keine Möglichkeit sehen, sich zu erhalten, murren sie

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