Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 4 (April 1915)
- Date
- 1915-04-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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172 Der Psalter Davids im Wechsel der Tage. staltung des musikalischen Gottesdienstes ausgehen, so ist die Frage nicht die, ob es auch nachexilische. sondern ob es auch vorexilische Lieder gibtw. Dieser Argumentation Wellhausens würde — um an einem besonders drastischen Beispiel die Unmöglichkeit einer stringenten Beweisführung in solchen literarischen Fragen aufzuzeigen — etwa die folgende entsprechen: Da die Kriegslieder unserer Soldaten in den Sammlungen moderner Lyrik sich vorfinden, desgleichen ihre Verfasser von den in den neuesten Literaturgeschichten verzeichneten Namen ausgehen, da ferner diese Lieder die Sanges weisen im Weltkrieg 1914/15 bilden, so ist die Frage nicht, ob sie alle dem Völkerringen der Gegenwart ihre Entstehung verdanken, sondern ob es auch einzelne darunter gibt, die hundert Jahre früher in den Freiheitskriegen gedichtet worden sind. Wie unendlich willkürlich aber diese Schlußfolgerung ist. das zeigte uns der Aufsatz von Gunkel, der den ganzen Ausgangspunkt unserer Betrachtungen bildete. Gunkel berichtet, die Königspsalmen insbesondere sollten erst indermakkabäischen Zeit gedichtet worden sein. Drei Momente sollen das beweisen: erstens: den jüdischen Königen wird darin die Weltherrschaft verkündet, die Idee einer solchen aber gehöre erst der nachexilisehen Zeit an; zweitens: im Ps. 108 wird der König ein Priester genannt; aber nur die Makkabäerfürsten waren Kohanim; drittens: es findet sich im Ps. 108 eine Beziehung auf Malkizedek; folglich kann der Dichter nur nach dem Verfasser der angeblich nachexilisehen Genesis gelebt haben. Alle drei Punkte aber sind nach Gunkel nicht entscheidend; denn er beweist mit großer Sachkenntnis, daß in verwandten uralten ägyptischen und babylonischen Königshymnen der Herrscher als Herr der Welt, als ewig dauernd gepriesen wird; daß er in den alten Darstellungen stets als Priester opfernd gemalt werde; daß endlich doch beide, Genesis- und Psalmendichter, bei der Anspielung auf den wohlbezeugten phönizischen Namen Malkizedek alte Traditionen vor sich gehabt haben.