Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1915-04-01 · Heft 4 (April 1915) · page 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 4 (April 1915)
Date
1915-04-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2292929-2292942-2292947--00686-2293928
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Der Psalter Davids im Wechsel der Tage. 171 ihn für diese .... Aufgabe, für welche Gottes Geist ihn geweckt und erwählt hatte. Gibt es doch nicht leicht irgend eine Gemüts- und Geschickeslage, in welcher David .... nicht sich zu erproben hatte von der Zeit an, da er, von dem Kreise seiner nächsten Angehörigen verkannt, noch allein bei den Schafen auf dem Felde ,weilte, bis zu dem Augenblick, in welchem er als Gründer eines unsterblichen Hauses sein prüfungsvolles Leben auf dem Throne beschloß. Was nur ein Kampf mit einer gegen Verirrungen nicht ganz geschützten Natur und das daraus hervorgehende Schuldbewußtsein, sowie ein Kampf mit Undank Neid, Verleumdung und Verfolgung von Feinden seines Glückes und Strebens Bitteres in den Kelch eines Menschen zu träufeln ver mögen, Alles hatte David durchgekostet, und indem .... jeder Gedanke und jede Empfindung sich ihm zu einem von den Tönen der Harfe getragenen Liede gestaltete, konnte er diese Schöpfungen seines Innern seinem Volke zum ewigen Vermächtnis hinterlassen . . . .tt Wenn wir andererseits völlig, von der religiösen Seite des Problems absehend, uns fragen: wann waren die Bedingungen für die Entwicklung der geistigen Kultur günstiger, zur Zeit von Israels nationaler Geschlossenheit und Blüte, oder nach dem Exile, wenn wir die israelitische Literatur zu Rate ziehen, soweit sie sicher aus der späteren Epoche herrührt, auch unter diesem Gesichtswinkel muß jeder Unvoreingenommene den Höhepunkt poetischen Schaffens in der Periode des ersten Tempelsuchen. Unsere Erklärer (Ibn Esra zu Sech. 1,1, Kimchi ib. zu 1,5) lehren übereinstimmend, daß von den letzten Propheten כח הנבואה הולכת ודלה מימי הגולה der Adlerflug der klassischen Zeit nicht wieder erreicht worden ist, und die Erzeugnisse der Makkabäerzeit wie die Apokryphen lassen gewiß keinen Rück- Schluß auf eine späte unerreichte Höhe jüdischen Sanges zu. Was für zwingende Gründe brachten also unsere Theologen zu der gewaltsamen Nachdatierung des Psalters? Hören wir den infalliblen Wortführer der Modernen, auf die nach David Kaufmanns heissender Ironie die erschütterte Inspiration des Bibel- Wortes übergegangen ist: ״Da der Psalter zu den Hagiographen gehört und das Gesangbuch der Gemeinde des zweiten Tempels ist, desgleichen die Überschriften von der in der Chronik beschriebenen Ge- 12*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.