Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 4 (April 1915)
- Date
- 1915-04-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Psalter Davids im Wechsel der Tage. 169 aus Israel gewichen und in jeder Epoche in Psalmendichtungen zutage getreten; das sage er als einfache Erklärung: כפי דרך הפשט allen, die da glauben, durch eine spätere Entstehung würde der Heiligkeit jener Gesänge Abbruch getan. Diese Auffassung aber lasse den frommen Glauben ganz unberührt, daß כפי דרך הדרוש והרמז והקבלה schon in Davids Zeit alles vorgeschaut, vorausgekündet und den Wissenden anvertraut sei, damit sie es bewahren und weiter geben, bis die Stunde der Veröffentlichung geschlagen habe. Also dogmatisch hätten wir kein ausgesprochenes Interesse, der Hypothesenfreudigkeit einen Biegel vorzuschieben. Andererseits ist für jeden vorurteilsfreien Menschen keine literarische Autorschaft so wohl bezeugt wie die Dichtergröße Davids. Wir haben von ihm die herrliche Elegie auf den Tod Sauls und Jonathans, von der noch nie jemand bezweifelt hat, auch die kritische Schule nicht, daß David ihr Autor war. Es ist ferner bei ruhiger Betrachtung kaum faßlich, daß die Annahme von dem Sänger auf dem Königsthrone, eine in der Geschichte einzig dastehende Tatsache, aus dem Nichts ent- Sprüngen sei, und die späteren Verfasser der Psalmen völlig willkürlich ein Pseudonym angenommen hätten, während doch Jeduthun, Heman, Asaph und die Söhne Korachs ihre Verfasserschaffe nicht verschwiegen haben. Immer war im Altertum der Gesang mit der Dichtkunst verknüpft. Und David sehen wir in seiner Jugendgeschichte als Meister des Sanges. Der schwermütige König Saul befiehlt den Jüngling zu sich, daß er ihn durch sein Saitenspiel aufheitere. Wir haben in I. Chr. 25 eine detaillierte Aufzählung aller Namen der Sängerschulen, die König David eingerichtet und in die er die Sangeskunst gepflanzt hat; kennen sein einzigschönes Dankgebet in der beglückenden Gewißheit, daß seinem Sohne der Tempelbau gelingen wird (II. Sam. 7 und I. Chr. 29), finden in I. Chr. 16 den Festhymnus, den David durch Asaph und seine Brüder zur Einholung der Bundeslade singen ließ und den machtvollen Dank, den er über die glückliche Besiegung aller seiner Feinde 12