Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 4 (April 1915)
- Date
- 1915-04-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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168 Der Psalter Davids im Wechsel der Tage. jünglinge am babylonischen Hofe und Mordechai nnd Esther genannt, die es als Dank für das Purim wunder zum ersten Male gesungen haben sollen (siehe Raschbam z. St.). Damit wäre die Möglichkeit nachexilischer Psalmen durch die Tradition anerkannt, und wem es richtig dünkt, der mag mit keinem geringeren als Hab oder Rabbi Jose Haglili für welche Lieder immer eine Entstehung in der Epoche Esras oder noch später annehmen. Ja, wenn man uns mit wirklichen Beweisen, mit unwiderleglichen historischen Zeugnissen die späte Entstehung jener Dichtungen erhärten könnte, es brauchte nicht einmal die widersprechende Überschrift — so widersinnig es ist, anzunehmen, die Sammler der Psalmen hätten ohne Not, aus bloßer Willkür, oder gar mit der Absicht, zu fälschen, die wahre Autorschaffc hinter der Davids versteckt — ich sage: nicht einmal die Überschriften brauchten in uns an der Autenthie der Überlieferung einen Zweifel erwecken. Tossaphoth sagt (Baba bathra 15 a. s. v. ועל): Im Ps. 72 heißt לשלמה, weil im Widerspruch mit dem Endvers כלו תפלות דיד בן ישי nicht, von Salomo, sondern an Salomo, für Salomo. (Analog Hirschz.St.) Um die talmudische Zehnzahl zu rechtfertigen, fordert Tossaphoth das gleiche für den Sehir-Hamaaloth Lischlomo. Daß das ל nicht den Autor bezeichnen muß, ergeben ferner die Überschriften der Psalmen 39 und 98, in denen sonst zweierlei, nach dem Talmud sogar ganz verschiedenen Zeitaltern angehörige Verfasser genannt sein müßten. Diese Beispiele ließen sich vermehren. Wenn also — den irrational-hypothetischen Fall gesetzt — es unabweislich nötig wäre, wir könnten uns wohl mit den aus Aufschriften entspringenden Schwierigkeiten ins Vernehmen setzen. Darum hat diese Frage der Abfassungszeit der Psalmen die frommen jüdischen Erklärer auch gar nicht erregt. Kimchi und Ibn Esra sprechen über die Annahme nachexilischer Dichtungen als ob die Entscheidung darüber völlig irrelevant wäre, und Malbim sagt sogar mit prachtvollem Freimut (Vorrede zu den Psalmen): von den ältesten Zeiten bis zur Rückkehr unter Cyrus sei der Geist Gottes nicht