Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1915-04-01 · Heft 4 (April 1915) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 4 (April 1915)
Date
1915-04-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2292929-2292942-2292947--00681-2293923
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

166 Der Psalter Davids im Wechsel der Tage. wort geschrieben. Da sie viel voraussetzungsloser als alle gegenwärtigen Forscher an das Gotteswort herantraten, da sie nicht das Vorurteil mitbrachten, es könne in einer frühen Zeit nicht ein Hochstand der religiösen Literatur geherrscht haben, da sie dem ..Nimbus“ der Bibel weder etwas hinwegzunehmen noch hinzuzuiügen sich verpflichtet glaubten, da sie keine Entwicklungstheoreme mit aller Gewalt als gültig erweisen mußten, sondern lediglich das Wort der Schrift verstehen, die Quellen selbst über sich befragen wollten, so brauchten sie nicht zu subtilen Konstruktionen zu greifen, die in der Luft schweben und nur den befriedigen, dem sie beweisen, was er voraus gewünscht. Wenn aber solche Wissenschaft der gottsuchenden Seele keine Förderung und Vertiefung verspricht, was soll sie in Israels Lehrhallen, im jüdischen Gedankenkreise? In denselben Monaten aber, in denen die seelische Er״ schütterung des Krieges den Psalter der Menschheit wieder nahe brachte und alle spätere gelehrte Zutat sich als überflüssig erwies, in derselben Zeit schrieb eines der Häupter der kritischen Schule in den preußischen Jahrbüchern1) einen Aufsatz über die Königspsalmen, welcher die ganze mühselige Arbeit der Wissenschaft über dieses Thema mit einem Federstrich vernichten will. Er bringt nämlich den Nachweis, daß entgegen der bisher herrschenden Vorstellung diese Dichtungen nicht aus nachexilischer, etwa makkabäischer Zeit, sondern aus der Epoche der Davidischen Könige stammen ״können“, ja mit der höchsten Wahrscheinlichkeit stammen werden. Also wir sollenwiederum lernen. Die Makkabäerfürsten, deren Königskröne und Priestergewand angeblich vom Glanze der Poesie umflossen waren, sollen den Lorbeer dem Hause Davids wieder zurückerstatten. Mir scheint gerade dieses Beispiel lehrreich dafür zu sein, wie die theologische Forschung im Blinden tappt, von Hypothese zu Hypothese greift, ohne eine Entscheidung fällen zu 1j Oct. 1914. S. 42 ff. Hermann Gunkel, Prof. d. Theologie in Gießen, Die Königspsalmen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.