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Jeschurun · 1915-04-01 · Heft 4 (April 1915) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 4 (April 1915)
Date
1915-04-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Der Psalter Davids im Wechsel der Tage. 165 hilflos der Frage gegenüberstehen: Wann und wo, durch welche geistigen Kräfte verursacht ist diese Perle religiöser Poesie entstanden? Nur eine Antwort trifft die Wahrheit: sie ist zeitlos. Das mag uns eine Erscheinung erklären, eine negative Tatsache, die wir in der Gegenwart beobachten und mit stiller Genugtuung verzeichnen konnten. Da haben die theologischen Forscher endlosen Fleiß und Scharfsinn darauf verwandt, Entstehungszeit und die Verfasserschaft der Psalmen zu ergründen und jedem Kommentare ellenlange ״Einleitungen“ vorausgeschickt, in denen sie sich mit allen Genossen des Faches und deren Hypothesen auseinandersetzen, um dann mit Hinweis auf bisher unbeachtete Gesichtspunkte eine neue Theorie aufzustellen, durch die das wunderbare Geheimnis von der Schöpfung dieser religiösen Dichtung angeblich gelüftet ward. Heute ist nun, wie dargelegt der Psalter der religiösen Menschheit gewissermaßen eine Lebensnotwendigkeit, ein geistiges Nahrungsmittel geworden. Ob wohl, so fragen wir, einer von den vielen Tausenden, die zu diesem Buche gegriffen und ihr Inneres mit seinen Gedanken erfüllt haben, nach einer solchen ״Einleitung“ verlangt oder das Problem erörtert hätte, wer hat diese Gesänge verfaßt? ob es wohl irgend wem als Frage von großer Bedeutung erschienen wäre, ob die Psalmen vor oder nach dem babylonischen Exil entstanden sind? Gewiß nicht! Dem religiösen Gemüt sind diese Fragen ganz belanglos. Zeitlos, wie der Gedanke an Gott ist, zeitlos wie Gott selber, so muß zu uns das heilige Wort sprechen, wenn es überhaupt von Zeitlichkeit und Enge der Gegenwart uns erheben soll. Weil das jüdische Volk die Bibel aber stets nur als Buch der Kunde von Gott gelesen hat, darum konnte es der ״Literaturgeschichte“ der Bibel nie großen Wert beimessen, darum nimmt im Talmud die Frage der Abfassungszeit der Teile des תנ״ך kaum anderthalb Seiten ein (Baba Battra 14 und 15), darum haben unsere großen jüdischen Bibelerklärer nur ganz kurze Bemerkungen den heiligen Büchern als Einführung vorausgeschickt, ja der größte von ihnen, Kaschi, nur zum Hohenliede etwa zehn Reihen Vor-

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