Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 4 (April 1915)
- Date
- 1915-04-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Sprüche XII, 27. 161 fühlt man plötzlich die Riemen schneiden, die Füße brechen, den Atem versagen. Mit instinktiver Kraft regt es sieb in jedem, das unsichtbare Band von neuem zu binden. Man singt. Und wenn es auch im Anfang nur Wenigen gelingt und geschiebt es auch nur mit stockendem Atem und schleppendem Schritt, man singt. Und im Liede löst sich die Schwere der Glieder, wie ein befreiender Strom gehts von Reihe zu Reihe ein tragendes Ganze ist wieder der Zug, so singend und schwebend zieht er dahin, das Unmögliche sieghaft erzwingend. Sollte es unserm Kriegsmarsch auch einmal drohen, dieser kritische Punkt der Ermüdung? Nun wohl, so laßt uns singen, inbrünstig leben das Lied von Menschenliebe und Opfermut, von Seelenreinheit und Pflichtenfreudigkeit. Einmal gelüstete David Wasser zu trinken von dem Brunnen vor dem Tore der Stadt, die die Philister umlagert. Drei seiner Krieger gehen hinaus und schöpfen das Wasser. Doch David weigert sich, es zu genießen. ״Das ist ja das Blut meiner Helden, die ihr Leben eingesetzt“, und er gießt es als Spende aus vor Gott (LE. Sam. 23, 15 ff.). Ist der Friede einst unser, laßt uns dieser Erzählung gedenken. Nicht unserem Genüsse soll es dienen, wofür unsere Helden geblutet. Nein, Leben, Freiheit, das Gut des Friedens: wir wollen es weihen unserem Gotte! Sprüche *II, 27. Von Geh. Regierungsrat Prof. J. Barth s. A. לא־ץחקי ךמיה צירו והון אדים ^קר חרוץ Der Sinn des Spruches ist bisher unerschlossen, weil die Wurzel חרך nur an unserer Stelle vorkommt. Die jüdischen Erklärer Ihn Ganach, Raschi, Ihn Ezra u. a. knüpfen es an