Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 4 (April 1915)
- Date
- 1915-04-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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160 Als Jude im Felde. begreifen, welch ein Widersinn. Religion ist ganz Ergriffenand Getragensein von der Unendlichkeit.“ Ja, so ists: Dies Gefühl der eigenen Winzigkeit gegenüber der erhabenen Ewigkeit, es ist der Boden, auf dem allein wahre Religion gedeihen kann. Klar erkennt man draußen auch die Ohnmacht des menschlichen Geistes. Wie sollte denn ungestraft ein Menschenhirn die schärfsten Gegensätze in einem Dinge fassen. Man erlebt die unaussprechliche Grausamkeit und Roheit dieses Krieges als bitterste Schmach unserer Zeit, und fühlt zugleich die herrlich-hohen Werte, die er erschlossen. ״Ein Zeichen Gottes dieser Krieg.“ Mehr als einmal klang dies Wort im Felde an mein Ohr, nicht im p astoralen Ton eines satten Sittenpredigers, nein, es sprachs eine Jugend, die in dem Banne des Erlebten nach dem Worte der Befreiung rang, es sprachs der Arbeiter, der von der tönenden Phrase der Großstadt zur schlichten Ursprünglichkeit der Empfindung heimgekehrt, ich konnte es aus den ernsten Mienen des gereiften Weltmannes lesen, dem die Erfahrung die Lippen verschloß. ״Ja, es ist ein Tag des Herrn.“ ״Der Tag des Herrn ist Finsternis, Wolkendunkel, in das kein Lichtstrahl dringt״, so spricht Arnos. Es ist Nacht, tiefste Weltennacht um uns, wo der Mensch sich selbst aus dem Paradies der Gesittung vertrieben und unsagbare Not und Elend über sein eigen Geschlecht gebracht. Selbst wer, im Schutze eines bewaffneten Seelenfriedens, die innere Reinheit, Zartheit und Empfänglichkeit sich bewahrt, geht nicht unversehrt aus diesem Kampf. — Aber ebenso sicher wissen wir: Es ist ein Gottes werk, eine Gottesoffenbarung, diese Zeit. Eine Nacht, die sich den Tag gebiert. Und wir beugen uns vor dieser höchsten Macht. Wer einmal einen größeren Marsch gemacht, der weiß es. Was der Rhythmus des Gleichschritts vermag, das festgeschlossene Glied. Wie der Gesamtheitswille den einzelnen trägt, weit über die Grenzen der eigenen Kraft. Die größte Gefahr ist, wenn dieser Wille versagt. Wenn die Schwerkraft des einzelnen stärker wird als die Schwungkraft der Masse. Da