Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 4 (April 1915)
- Date
- 1915-04-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Als Jude im Felde. 157 die Ansteckungsgefahr ist gering. Der Egoist isoliert sich selbst. Sein Gift trifft keinen empfänglichen Boden. Denn, was ich als das Große im Felde empfanden, das ist die Rückkehr zur biblischen Einfachheit unserer Seelenstruktur, wo die Menschheit noch scharf in zwei Klassen geteilt, und nicht ein unentwirrbares Netz von kleinlichen Vorurteilen, Leidenschaften und Gebrechen, von gesellschaftlichen Rücksichtnahmen und Ver- Stellungen alles Große und Schöne im Sumpf einer Mittelmäßigkeit ertränkt. Es scheint, als gäbe es nur ein einziges Laster, eine einzige Tugend draußen. Ein Laster: Selbstsucht, eine Tugend: Kameradschaft. Wo aber Kameradschaft herrscht, kann kleinlicher Haß nicht weilen. Und Zurücksetzungen im Avancement?! Sie mögen auch jetzt wohl vorgekommen sein. Ich aber habe eine Reihe von Offizieren kennen gelernt, die es sich zur besonderen Aufgabe gestellt, den militärischen Antisemitismus ins Reich der Fabel zi 1 verbannen. Das wird mir auch von Kameraden meist bestätigt, nur mit der vernichtenden Einschränkung: ״Wie lange wird das dauern? Ist der Krieg vorbei, wird auch der Verbrüderungsrausch verschwinden.“ Ist es wirklich wahr? Muß mit der Schreckgewalt des Feuers auch all sein Glanz erlöschen? Können wir keinen leisen Schimmer hinüberretten in die Dämmerung des Alltags. Ich kann es nicht glauben, daß sich ganz verwischen soll, was mit glühendem Eisen in unsere Seele gebrannt. Wohlgemerkt: Ich glaube nicht, daß wurzelechte Antisemiten zu überzeugen sind. Am allerwenigsten durch Zahlen. Antisemitismus ist Gemütskrankheit, und Zahlen sind Arznei höchstens für den Verstand. Darum, wenn einem Kriegsteilnehmer ein Wort an die Heimat erlaubt ist, lassen wir das Stolzieren mit unseren Toten, Verwundeten und Dekorierten. Es nützt nichts beim Feind und schadet nur beim Freund. Es legt Absicht in unser Tun und raubt ihm den Adel der Selbst- Verständlichkeit. Es ist und darf auch nicht als Besonderes scheinen, daß wir Juden auch unsere Pflicht erfüllt und mehr als das getan. Ich möchte nicht mißverstanden werden. Gegen