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Jeschurun · 1915-04-01 · Heft 4 (April 1915) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 4 (April 1915)
Date
1915-04-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Als Jude im Felde. 155 da schwebt dem Zuhörer bei uns meist noch eine Frage auf den Lippen: Wie geht es uns als Juden draußen, was macht das Schmerzenskind unseres gemeinsamen Denkens, der Antisemitismus? Nun wohl, ich will erzählen, was ich erlebt, welche Ansicht ich heimgebracht. Doch gerade bei dieser Frage ist kühlste Objektivität Bedingung, jene optimistische Betrachtungsweise, wo Empfindlichkeit den Blick nicht trübt. Denn, nichts ist gefährlicher in dieser Zeit, als überall den Judenhaß zu wittern. Sie raubt uns die Unbefangenheit im Verkehr mit anderen Kameraden. Vieles, was so empfunden wird, ist im Grunde nur schlechter Bierwitz, geschmacklose Neckerei. Es soll hier keineswegs bestritten werden, daß der Jude als Soldat gar manches, oft sehr viel zu leiden hat. Jedes Massenleben verlangt Nivellierung, Uniform. Die Masse rächt sich für jede Sonderheit, die sie nicht gleich versteht. Unsere größte Sonderheit aber ist unser warmes inniges Familienleben, das unserem Wesen die eigene Weichheit und Empfindsamkeit aufdrückt, das uns nur unter größten Qnalen an die Rauheit und Scimeidigkeit der Kasernenluft gewöhnen läßt. Dazu kommen Nachteile unseres Berufes: Geringere Übung in körperlieber Tätigkeit, daher oft allerlei Ungeschick und Unbeholfenheit, die leicht die Spottlust gewandter Kameraden hervorruft. Wer es da nicht versteht, durch schneidige Aufführung, die selbstverständliche Geste des Höherstehenden, sich Achtung zu erzwingen, hat von vornherein einen schweren Stand. Doch das sind Selbstverständlichkeiten. Die Frage lautet: Ist es draußen anders? besser oder schlechter? Nun, daß es noch Antisemiten gibt, bedarf keines Wortes, oder glaubte man, unser .Kaiserwort hätte allen Judenhaß aus den Herzen unserer Feinde bannen können, den Haß, der treuer als ein Schatten auf allen Irrwegen des Exils uns folgte? Nicht mehr als logisch, daß wir auch im Felde unserm Schattenbilde begegnen. Vielleicht zeigt es sich sogar häßlicher, gemeiner, gröber draußen, wo alle Instinkte und Leidenschaften nackt und ungeschminkt zutage treten. Doch gerade diese nackte Häßlichkeit, sie 11*

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