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Jeschurun · 1915-04-01 · Heft 4 (April 1915) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 4 (April 1915)
Date
1915-04-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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154 Als Jude im Felde. sollen, die Schwere seiner Pflichten zu ertragen. Das umgekehrte Verfahren erscheint mir am Platze. Nicht wir bedürfen der Aufmunterung, die wir draußen vor dem Feinde stehen, wo der Kanonendonner eines Weltgeschicks alle Schmerzenslaute übertönt, nein vielmehr ihr. die ihr in der Heimat bleiben müßt, und nur die Wunden sehen könnt, die das Schwert geschlagen. Wer ständig schaffen darf und schaffen muß, empfindet die drückende Schwüle des Leides nicht. Bedarf es der Frage, welches Los das schwerere: Eine Jugend, die in des Lebens liberschwang sich einem Heldentode weiht oder ein Mutterherz, das im stillen Kämmerlein in Schmerz und Gram langsam sich verblutet. Darum sieht man auch vieles freier und leichter draußen. Man erlebt unmittelbarer, daher eindringlicher Schrecken und Majestät des Krieges, Schauer, Schauder und Erhebung. Da- ■rum ist es wohl nicht zu gewagt, wenn auch ein Unberufener hier einmal erzählt, was man im Feld empfindet, und damit es ■die Leser dieser Zeitschrift interessiert, sei das Thema beschränkt auf das, was man als Jude draußen erlebt. Noch ein \rorwort sei gestattet. Manchem mag es opti- ■mistisch scheinen, was hier berichtet wird. Aber es ist nicht der Optimismus, der in seinen Träumen nicht gestört sein will. Nein, nur ein gesunder Lebensinstinkt, der jede Tragik mannhaft bejaht, und so dem Schmerz seinen Stachel nimmt. Das aber ist in solcher Zeit unsere höchste Pflicht. Wir Juden loben ja Gott ebenso für das Unglück, das uns widerfahren, wie für ein Glück. Loben, das ist mehr als stumme Resignation! Es ist bewußtes Ahnen, nein tiefster felsenfester Glaube, daß alles Glück und Unglück, Haß und Liebe dieser Welt, von einem letzten Glück, von letzter, höchster Liebe umgriffen wird, daß alles subjektive Leid, mag es noch so brennend schmerzen, noch so grausam unbegründet scheinen, letzten Endes nur unser Heil bedeutet. I. Ist man glücklich vom Felde heimgekehrt und hat man im trauten Kreis seinen Kriegsbericht ebenso glücklich beendet,

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