Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1915-03-01 · Heft 3 (März 1915) · page 47

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 3 (März 1915)
Date
1915-03-01
Page
– (sequence 47)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2292929-2292942-2292946--00665-2293906
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Bücherbesprechtmg 51 ז Bücherbesprechung. Bas Rufen des Zarathustra, der Weisheit letzter Schluß. Von Paul Eberhard!. Verlegt bei Eugen Diederichs, Jena, 1912. Die vergleichende Religionsgeschichte muß, falls sie den Sinn und die Bedeutung eines religiösen Kultursystems erfassen will, neben dem historischen Verständnis einen Maßstab des Wertens besitzen. Es müssen die drei Faktoren des Ethischen, Intellektuellen nnd des rein Psychologischen Zusammenwirken und berücksichtigt werden, um ein objektives Urteil über eine Religionsform zu fällen. Wohin eine rationale Betrachtungsweise der Religion führt, zeigt die sonst voluntaristisch gerichtete Denkungsweise Schopenhauers. Er wird ungerecht, indem er lediglich den Maßstab des Wahren und Falschen an die jüdische Religion anlegt. Denn das sind sicherlich nicht die einzigen Kriterien einer religionsphilosophischen Betrachtung. Daß aber auch die ethisierende Methode dem Wesen des Judentums nicht gerecht wird, zeigen die zahlreichen apologetischen Schriften der letzten Jahre, besonders diejenigen, welche das Thema Judentum und Christentum behandeln. Der ethische Wert des Christentums wird nicht gemindert durch die Person ihres Begründers, welche als solche tatsächlich störend in die autonome Sittlichkeit des Menschen eingreift. Sie ist und bleibt metaphysisch und lediglich als solche zu verstehen. Neuerdings hat man versucht, die Religion als eine besondere Funktion, als ein Gefühl der Totalität der gesamten psychischen Erlebnisse zu begreifen. Man glaubt ihr Wesen zu erfassen, wenn man sich in die Verfassung der Seele des religiösen Genius einfühlt“, psychologisch gesprochen durch Deskription des religiös inspirierten Geistes. So versucht Paul Eberhardt in den beiden vorliegenden Büchern, uns einen Einblick in die Religion der Inder zu gewähren. Er hat uns damit einen frisch sprudelnden Quell religiöser Empfindungen zugänglich gemacht. Die ganze Tiefe der religiösen Seele dieses fernen Landes tut sich uns auf. Wir sehen, daß die Religion keineswegs nur ״schlecht-!finniges Abhängigkeitsgefühl“ ist, sondern zugleich eine Aktivität des religiösen Menschen involviert, und zwar ein gestaltendes Erfassen der Schwere der Probleme des Daseins. Die Seele ist nicht nur beunruhigt über das Was, Weber und Wohin des Lebens, sondern sie erkennt mit intuitivem Blick den Sinn und den Zweck alles Geschehens und stellt dementsprechend Forderungen über das Verhalten des Menschen auf. Vor unserem geistigen Auge entsteht das Auf und Ab seelischer Erregungen, die Wogen und Brandungen einer religiös empfindenden Psyche. Was uns Juden stets von der indischen Welt trennt, ist das Fehlen oder die Schwäche des intellektuellen Moments. Der jüdische Prophet hat sich zur Kristallisierung der religiösen Erlebnisse, des religiös Erschauten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.