Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 3 (März 1915)
- Date
- 1915-03-01
- Page
- – (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2292929-2292942-2292946--00666-2293907- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
152 Bücherbesprechung. in Form des abstrakten Monotheismus erhoben. Bei den Indern wird die Existenz des Guten und des Bösen scharf erfaßt, aber nicht bewertet. Beide bleiben als Prinzipien oder Realitäten bestehen, der indische Genius kann sich trotz aller Schätzung des ״Geistes, der Wahrheit, Freiheit und deshalb Frömmigkeit gibt“ nicht zu einer ethischen Überbrückung oder Einordnung dieser beiden Faktoren aufraffen. Im Judentum dagegen Verschwinden bekanntlich diese Gegensätze, das Böse, die Finsternis erhält den Charakter des Nichtseinsollenden; es ist nur Objekt der Betätigung für das religiös Gute. In diesem Sinne lehrt Jesajas (Kap. 45,7) im bewußten Gegensatz zu dieser Lehre: ״Er bildet das Licht und schafft die Finsternis, er wirkt Heil und schafft das Böse.“ Der Inder bleibt bei der Kontemplation stehen, er findet Beruhigung und Beseligung in dem Ausmalen und Genießen jenes Kontrastes; der religiöse Geist des Judentums will dieses geistig erschaute Erlebnis praktisch bewerten. Das allen Gegensätzen zugrunde liegende Substrat ist Gott, ״der durch Gerechtigkeit geheiligt wird“. Er verlangt die Installierung der sozialen Ordnung und fordert dementsprechend bestimmte Verhaltungsweisen der Menschen, um das Gottes• reich auf Erden zu verwirklichen. Er wird damit zugleich ein regulatives Prinzip ethischer Handlungen: ״Deine gesamte Lebensführung soll in Beziehung zu Gott stehen“ (Aboth II 12). Wenn Zarathustra das Leben ebenfalls als Gerechtigkeit bezeichnet, so ist in der indischen Religion damit schon alles getan. Normen für eine Verwirklichung religiös ethischer Forderungen sind nirgends zu finden. Es fehlen eben in dieser Religion die Zusammenhänge zwischen dem psychisch Erlebten und dem sittlich Wollenden. Im Judentum dagegen haben sich die verschiedenen seelischen Momente durchdrungen, und im Monotheismus, der deshalb nicht lediglich ethisch sein kann, ist die Einheit gegeben. Immerhin bleibt es wertvoll, daß Eberhardt durch Publikation dieser Gedichte den psychologischen Untergrund des religiösen Erlebnisses der Inder weiten Kreisen zugängig gemacht hat. Mi. iiiiiiüimiilillillii Verantwortlicher Redakteur Dr. J. Wohlgemuth, Berlin. Verlag des Jeschurun, Berlin. Druck ▼on Max Schmersow in Kirchhain N.-L.