Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 3 (März 1915)
- Date
- 1915-03-01
- Page
- – (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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148 Biblische Motive in Goethes ״Faust“. Buches dichtete, die äußere Form glücklich ausbaute, und, was bedeutungsvollerist, die Idee desbiblischenPrologesübernahm. Nur so war es ihm möglich, daß er ״den in der Faustsage unentbehrliehen Teufel beibehielt, den Kampf zweier freindlicher Prinzipien aber aufhob, indem der Teufel zum Diener und Werkzeug Gottes gemacht wurde1).״ ״Des Menschen Trieb kann allzuleicht erschlaffen, Er liebt sich bald die unbedingte Ruh, Drum geb ich gern ihm den Gesellen zu, Der reizt und wirkt und muß als Teufel schaffen.“ In dieser Tatsache, der Benutzung des altbiblischen Satans für die Ausgestaltung der Mephisto-Figur haben wir den wesentlichsten Bestandteil des ״Faust und Hiob ־״Vergleiches. Aber gerade dieser Punkt wird in den Arbeiten über das Problem nicht beachtet, obwohl Prof. A. Sulzbach, Frankfurt a.M. schon im Jahre 1889 auf Herder verwiesen hat, der den jüdischen שטן in dem Sinne charakterisierte, wie Goethe ihn für seine Zwecke suchte. So schreibt Herder in dem ״Geist der ebräischenPoesie״: — der altbiblische Satan ist kein Widerpart Gottes. ״Auch er ist unter den Engeln, d. i. unter dem Hausgesinde des obersten Fürsten. Ausgesandt, die Welt zu durchforschen und Nachricht zu bringen, handelt er seinem Amte gemäß, und Gott lenkt ihn auf Hiob. Er geht nicht weiter, als Gottes Wink gebeut, und auch dies tut er nur als Probe. Gott behält recht, freilich lange auf Hiobs Kosten; und am Ende des Buchs ist von keinem Satan mehr die Rede.״ Gegen die Richtigkeit dieser Charakterisierung dürfte nichts einzuwenden sein. Daß das Böse im Erziehungsplane Gottes gelegen, nur ein Mittel sei, das Gute zur Vollendung zu bringen, ist ein Gedanke, der am eindrucksvollsten in der Bemerkung der jüdischen Weisen ausgesprochen ist: ״Gott nannte nach Erschaffung der Welt die״ Schöpfung gut, nachdem er den Jezer tob, den guten Trieb geschaffen, er nannte sie sehr gut, als er den Jezer hara, den bösen Trieb, ihm zugesellte 2).u Doch ist diese Lehre schon deutlich genug in ף A. a. O. 2j Berescliitli Rabba zu Gen. 1,31.