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Jeschurun · 1915-03-01 · Heft 3 (März 1915) · page 43

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 3 (März 1915)
Date
1915-03-01
Page
– (sequence 43)
Language
German
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Biblische Motive in Goethes ״Faust“. 147 der erste, der klar die Notwendigkeit erkannte, seinen Helden von der Hölle zu befreien; er wußte, daß Erkenntnis kein teuflisches, sondern ein göttliches Streben sei. Doch den ־Veg der Gestaltung zu finden, war ihm wie vielen anderen versagt. Erst der größte unter ihnen war zur Erfüllung berufen. Langeד fast ein Menschenalter hindurch, hat Goethe gerungen, bis er die Lösung fand. Die Entwickelungsgeschichte seines "Werkes hat es bis zur Evidenz bewiesen. In der ersten Fassung, dem sogenannten ,,Urfaust“ vom Jahre 1773/74, mit dem das Finderglück Erich Schmidts die wissenschaftliche Forschung bereichert hat, ist in keiner Weise der Versuch gemacht, den Vertreter des Bösen Mephisto in den Weltenplan einzuordnen, ebensowenig im ״Fragment“, das 1790 erschien. Und weil der Dichter keine Lösung fand, sollte die Dichtung unvollendet bleiben. Zum Glück hat Schiller den Zaudernden zur Fortführung des Werkes bestimmt. In der Mitte der neunziger Jahre betrieben beide Freunde altbiblische Studien zu wissenschaftlichen Zwecken. Und da trat der Seelenkampf Hiobs wieder vor das geistige Auge des Dichters und gab seinem Geiste die Lösung, die er suchte. Im ״Hiob“ war die Macht des Bösen dem Höchsten als Diener unterworfen, in beiden Dichtungen ward das Verhältnis des Bösen zur göttlichen Weltordnung klar bestimmt; der Satan hier und der Teufel dort als gottgewollte Macht, die Menschen auf ihre Festigkeit zu prüfen: sie mußten ״als Teufel schaffen“ wie die anderen Mächte der Gottheit auch. Doch ״der Herr“ stand über der ganzen Schar, wie auch im Menschenherzen seine Macht die stärkere ist. Das war das Prinzip, die Lebensphilosophie, die Goethe suchte. ״Der ethische Rigorismus des Luthertums, der alles Gottwidrige in der Gestalt des Teufels verkörpert sieht und diesem eine gewaltige Macht zuschreibt, war seiner Natur so zuwider, daß hier ein Ausgleich gefunden werden mußte, wenn die Faustdichtung zu einem befriedigenden Abschluß geführt werden sollteב).“ So war es kein Zufall, daß Goethe im Jahre 1797 den ״Prolog im Himmel“ nach dem Vorbild des biblischen ב) Preuß. Jahrbuch 1902 Band 108.

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